Wespennest oder Hornissennest? Arten erkennen

Deutsche Wespe, Sächsische Wespe, Hornisse, Erdwespen: Woran Sie Art und Nest erkennen, welche Arten lästig werden und wann Abwarten richtig ist.

Ratgeber der Knipp, Neumann & Co. GmbH · 8 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Lästig werden nur zwei Arten: Deutsche und Gemeine Wespe. Beide nisten im Dunkeln, in Erdlöchern, Rollladenkästen, Hohlwänden und Dachböden, und bilden Völker mit mehreren tausend Tieren.
  • Ein frei hängendes, graues Kugelnest an Dachüberstand, Hecke oder Gartenhaus gehört fast immer einer friedlichen Art. Diese Völker sind klein, kommen nicht an den Tisch und sterben schon im Spätsommer.
  • Hornissen sind die größten Faltenwespen, brummen laut, sind aber friedlicher als Deutsche Wespen. Sie sind besonders geschützt, ihr Nest darf ohne Genehmigung nicht angerührt werden.
  • Die Art entscheidet über alles Weitere: Bei friedlichen Arten ist Abwarten richtig und meist auch das einzig Erlaubte.

Erst die Art, dann die Entscheidung

Jedes Jahr rufen uns im Sommer Menschen an, die „ein riesiges Wespennest“ am Dachüberstand entdeckt haben, und in vielen Fällen sagen wir am Telefon: Lassen Sie es hängen. Nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil das Nest einer friedlichen Art gehört, in wenigen Wochen von allein stirbt und seine Beseitigung rechtlich gar nicht erlaubt wäre. Umgekehrt melden sich Kunden, die seit Wochen mit „ein paar Wespen im Schlafzimmer“ leben, und hinter dem Rollladenkasten sitzt ein Volk mit 5.000 Tieren.

Die Art und der Nestort entscheiden also über alles: ob gehandelt werden muss, ob gehandelt werden darf, und wer es tun darf. Dieser Artikel zeigt, worauf Sie achten müssen. Was rechtlich erlaubt ist, steht ausführlich im Ratgeber Wespennest entfernen: Was ist erlaubt?.

Die Arten im Überblick

In Deutschland gibt es mehrere hundert Wespenarten, die meisten leben allein und fallen niemandem auf. Staaten bilden nur die sozialen Faltenwespen, und davon sind für Sie fünf Gruppen relevant.

ArtGröße ArbeiterinNestVolkVerhaltenSchutz
Deutsche Wespe12 bis 16 mmdunkel: Erde, Rollladenkasten, Hohlwand, Dachboden4.000 bis 7.000 Tiere, bis Oktober/Novemberkommt an Speisen, verteidigt das Nest heftigallgemein
Gemeine Wespe11 bis 14 mmdunkel, wie Deutsche Wespewie Deutsche Wespewie Deutsche Wespeallgemein
Sächsische, Mittlere, Waldwespe12 bis 16 mmfrei hängend, graues Kugelnest an Dachüberstand, Hecke, Gartenhauseinige hundert Tiere, stirbt August/Septemberfriedlich, kommt nicht an Speisenallgemein
Feldwespen12 bis 15 mm, sehr schlankoffene kleine Wabe ohne Hülle, unter Dachvorsprüngen, in Holzstapelnwenige Dutzend Tieresehr friedlichallgemein
Hornisse18 bis 25 mm, Königin bis 35 mmBaumhöhle, Vogelkasten, Dachboden, Schuppen, Rollladenkasteneinige hundert Tiere, bis Oktober/Novemberfriedlich, laut, fliegt nachts ans Lichtbesonders geschützt

Die Größenangaben stammen aus der Fachliteratur und sind Richtwerte, einzelne Tiere weichen ab. Für die Praxis reicht die grobe Einteilung: klein und schwarz-gelb in dunklem Nest ist ein Fall zum Prüfen, groß mit Rotbraun ist eine Hornisse, graues Kugelnest im Freien ist zum Abwarten.

Deutsche und Gemeine Wespe: die einzigen, die stören

Beide Arten sehen sich so ähnlich, dass die Unterscheidung nur über die Zeichnung des Kopfschilds gelingt: Die Deutsche Wespe hat dort drei schwarze Punkte oder einen kurzen Strich, die Gemeine Wespe einen schwarzen Anker. Für Sie ist das unwichtig, weil beide sich gleich verhalten.

Das Nest liegt immer im Dunkeln. Im Garten in verlassenen Mäusebauen, Erdlöchern, Komposthaufen oder unter Wurzeln, dann spricht man von Erdwespen. Am Haus in Rollladenkästen, hinter Fassadenverkleidungen, in Hohlwänden, unter Dachziegeln, auf Dachböden, in Garagen und Schuppen. Das Nest selbst sehen Sie meist nicht, nur das Flugloch mit ständigem Ein- und Ausflug.

Das Volk wächst bis in den Spätsommer auf 4.000 bis 7.000 Tiere und lebt bis Oktober oder November. Genau diese Arten sitzen ab August auf dem Kuchen, weil sie keine Larven mehr zu füttern haben, siehe Wespen im Herbst.

Das Verhalten ist der Grund für ihren Ruf. In Nestnähe verteidigen sie sich mit vielen Tieren gleichzeitig, und ein gestörtes Erdnest kann zu Dutzenden Stichen führen. Wer beim Rasenmähen plötzlich mehrfach gestochen wird, hat fast immer ein Erdnest der Deutschen oder Gemeinen Wespe getroffen.

Sächsische, Mittlere und Waldwespe: das Kugelnest im Freien

Diese Arten bauen ihr Nest offen und sichtbar: eine graue, papierartige Kugel mit einem Flugloch unten, oft handballgroß, an Dachüberständen, Balkondecken, in Hecken, an Gartenhäusern oder Carports. Es sieht bedrohlich aus und ist das Gegenteil.

Die Völker bleiben klein, meist einige hundert Tiere, und sind schon im August oder September am Ende. Die Tiere ernähren sich von Insekten und Nektar, kommen nicht an den Tisch und stechen nur, wenn das Nest direkt bedrängt wird. Wer ein Nest beseitigt, braucht nach dem Bundesnaturschutzgesetz einen vernünftigen Grund, und bei diesen Nestern liegt er im Regelfall nicht vor. Das Umwelt- und Grünflächenamt der Stadt Bochum rät, genau zu prüfen, ob ein Nest wirklich sofort weg muss, oder bis zum Herbst zu warten, wenn es verlassen wird. Töten kommt nur als letztes Mittel infrage.

Unsere Empfehlung ist deshalb fast immer: hängen lassen, einen Meter Abstand halten, im Winter das leere Nest abnehmen. Eine Bekämpfung wäre nicht nur überflüssig, sondern eine Ordnungswidrigkeit.

Feldwespen: die Schlanken unter dem Dachvorsprung

Feldwespen erkennen Sie an der schlanken Gestalt, den langen, im Flug herabhängenden Beinen und dem kleinen Nest: eine einzelne offene Wabe ohne Papierhülle, an der die Tiere sitzen, oft unter Dachvorsprüngen, an Fensterrahmen oder in Holzstapeln. Ein Volk hat selten mehr als ein paar Dutzend Tiere. Feldwespen sind ausgesprochen friedlich, stechen praktisch nie und sind nützlich, weil sie Raupen und Blattläuse jagen. Hier gibt es nichts zu tun.

Hornissen: groß, laut, geschützt und friedlicher als ihr Ruf

Die Hornisse ist die größte heimische Faltenwespe. Arbeiterinnen sind 18 bis 25 Millimeter lang, Königinnen bis 35, mit rotbraunem Kopf und Brustteil und gelb-schwarzem Hinterleib. Das tiefe Brummen ist unverwechselbar, und Hornissen fliegen als einzige Art auch nachts, weshalb sie im Sommer ans beleuchtete Fenster kommen.

Ihr Nest liegt in Baumhöhlen, Vogelnistkästen, Dachböden, Schuppen, seltener in Rollladenkästen. Das Volk umfasst einige hundert Tiere und stirbt im Oktober oder November. Trotz ihrer Größe sind Hornissen deutlich weniger reizbar als Deutsche Wespen, sie kommen nicht an Speisen und stechen nur, wenn das Nest bedrängt wird. Der Stich ist nicht giftiger als der einer Wespe, nur wegen des längeren Stachels schmerzhafter.

Hornissen sind nach Anlage 1 der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt. Nest und Tiere dürfen ohne Ausnahmegenehmigung der Unteren Naturschutzbehörde nicht gestört, beschädigt oder beseitigt werden, auch nicht von einem Schädlingsbekämpfer. Wo ein Hornissennest wirklich nicht bleiben kann, ist die Umsetzung durch von der Behörde beauftragte Fachleute der vorgesehene Weg. Wir helfen bei der Einordnung und sagen Ihnen, ob überhaupt ein Antrag nötig ist. In den meisten Fällen reicht es, den Flugweg nicht zu verstellen und im Herbst abzuwarten.

Der Nestort verrät die Art

Wenn Sie kein Tier aus der Nähe sehen, hilft der Ort weiter.

  • Loch im Rasen, Beet oder Komposthaufen mit regem Flugverkehr: Deutsche oder Gemeine Wespe, Erdnest. Großes Volk, prüfen lassen, besonders bei Kindern oder Rasenmähen in der Nähe.
  • Rollladenkasten, Tiere kommen ins Zimmer: Deutsche oder Gemeine Wespe. Der häufigste Fall für uns. Bei Schlaf- und Kinderzimmern ein vernünftiger Grund.
  • Hohlwand, Fassade, Dachziegel, Flugloch an einer Fuge: Deutsche oder Gemeine Wespe. Das Nest kann tief im Bauwerk sitzen.
  • Graue Kugel frei hängend unter Dachüberstand, in Hecke, an Gartenhaus: Sächsische, Mittlere oder Waldwespe. Hängen lassen.
  • Kleine offene Wabe ohne Hülle, wenige Tiere: Feldwespen. Nichts tun.
  • Großes Nest in Baumhöhle, Vogelkasten oder Dachboden mit lautem Brummen und Nachtflug: Hornisse. Besonders geschützt, nur über die Naturschutzbehörde.
  • Dachboden, Nest nicht sichtbar, Tiere an Dachfenstern: kann alles sein. Foto der Tiere machen.

Ein Foto reicht oft

Sie müssen die Art nicht selbst bestimmen. Ein Foto vom Nest, ein Foto von einem Tier, gern mit einer Münze oder einem Finger als Größenvergleich, und die Angabe, wo das Nest sitzt, genügen uns in den meisten Fällen für eine klare Antwort am Telefon. Die Erstberatung ist kostenlos. Wenn eine Bekämpfung nötig und erlaubt ist, nennen wir Ihnen einen festen Preis für den Termin, abgerechnet per Rechnung. Wie der Termin abläuft, steht im Ratgeber Wespennest entfernen: Ablauf und Kosten. Wir sind in Bochum, Gelsenkirchen, Essen und in ganz NRW im Einsatz.

Rechtslage auf einen Blick

  • •Alle Wespenarten stehen unter dem allgemeinen Artenschutz (§ 39 Abs. 1 BNatSchG): Bekämpfung nur mit vernünftigem Grund, sonst Bußgeld bis 10.000 Euro.
  • •Hornissen, alle Hummeln und Wildbienen sowie einige seltene Wespenarten (etwa Kreiselwespen) sind nach Anlage 1 der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt (§ 44 BNatSchG). Nester dürfen nur mit Ausnahmegenehmigung der Unteren Naturschutzbehörde umgesetzt oder beseitigt werden, sonst Bußgeld bis 50.000 Euro.
  • •Deutsche, Gemeine, Sächsische und Mittlere Wespe sowie Feldwespen sind nicht besonders geschützt. Für Arten mit frei hängendem Nest fehlt trotzdem in der Regel der vernünftige Grund zur Beseitigung.

Keine Rechtsberatung. Bei konkreten Fragen zu Genehmigungen ist die zuständige Behörde Ihrer Stadt der richtige Ansprechpartner, wir helfen bei der Einordnung.

Häufige Fragen

Wie erkenne ich, ob es Wespen oder Hornissen sind?

An der Größe und der Farbe. Hornissenarbeiterinnen sind bis über 3 Zentimeter lang, Königinnen bis 4, mit rotbraunem Kopf und Brustteil und gelb-schwarzem Hinterleib. Wespen sind 1 bis 2 Zentimeter, schwarz-gelb ohne Rotbraun. Hornissen brummen tief und fliegen auch nachts ans Licht.

Was sind Erdwespen?

Keine eigene Art, sondern Deutsche oder Gemeine Wespen, die ihr Nest in einem verlassenen Mausebau oder einem Erdloch angelegt haben. Erkennbar am regen Flugverkehr aus einem Loch im Rasen oder Beet. Solche Nester werden im Spätsommer sehr groß und liegen oft genau dort, wo Kinder spielen oder gemäht wird.

Ist ein Nest im Rollladenkasten gefährlich?

Es ist der häufigste Fall, mit dem wir zu tun haben. Im Kasten nisten fast immer Deutsche oder Gemeine Wespen, das Volk wächst bis in den Herbst auf mehrere tausend Tiere, und die Tiere gelangen durch den Rollladenschlitz ins Zimmer. Bei Schlaf- und Kinderzimmern ist das ein vernünftiger Grund für die Bekämpfung.

Welche Wespen kommen an den Kaffeetisch?

Nur Deutsche und Gemeine Wespe. Alle anderen Arten fressen Insekten und Nektar und interessieren sich nicht für Kuchen oder Fleisch. Wer am Tisch belästigt wird, hat es also immer mit einer dieser beiden Arten zu tun, deren Nest irgendwo im Dunkeln liegt.

Kann ich das Nest anhand eines Fotos bestimmen lassen?

Ja, das ist oft die schnellste Lösung. Ein Foto vom Nest oder von einem Tier, gern mit etwas zum Größenvergleich, reicht uns meist, um die Art zu erkennen und zu sagen, ob überhaupt etwas getan werden muss. Die telefonische Erstberatung ist kostenlos.

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