Wespen im Herbst: warum sie jetzt lästig werden

Im September sitzen Wespen auf dem Kuchen und kommen ins Haus. Warum das so ist, was mit dem Nest passiert, wo Königinnen überwintern, was jetzt hilft.

Ratgeber der Knipp, Neumann & Co. GmbH · 7 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Ab Ende August hat ein Wespenvolk keine Larven mehr zu füttern. Die Arbeiterinnen brauchen nur noch Zucker und suchen ihn dort, wo er leicht zu haben ist: auf dem Kuchen, im Saftglas, in der Küche.
  • Das Volk stirbt im Oktober oder November von allein. Ein altes Nest wird nie wieder besiedelt. Nur die jungen Königinnen überleben, einzeln, in Ritzen, Holzstapeln, Dachböden und Rollladenkästen.
  • Eine einzelne Wespe im Winter ist eine Königin, die aus dem Winterschlaf geweckt wurde. Sie ist kein Zeichen für ein aktives Nest.
  • Bekämpfen lohnt sich im Herbst nur noch, wenn das Nest im Haus sitzt und die Tiere in Wohnräume kommen. Sonst ist Abwarten die richtige und die einzige erlaubte Entscheidung.

Warum Wespen ab Ende August anders werden

Bis in den Sommer hinein bemerkt kaum jemand ein Wespenvolk. Die Arbeiterinnen fliegen Insekten, Raupen und Fliegen ein, zerkauen sie und füttern damit die Larven. Die Larven geben dafür einen zuckerhaltigen Speichel ab, von dem die Arbeiterinnen leben. Ein geschlossener Kreislauf, für den der Kaffeetisch uninteressant ist.

Ab Ende August bricht dieser Kreislauf zusammen. Die Königin hört auf, Eier zu legen. Die letzten Larven werden zu jungen Königinnen und Männchen, die das Nest verlassen. Übrig bleiben tausende Arbeiterinnen, die niemanden mehr zu füttern haben und deren Zuckerquelle im Nest versiegt ist. Sie müssen sich selbst versorgen, und zwar mit Zucker. Blüten gibt es kaum noch, Fallobst schon, und noch bequemer sind Saft, Kuchen, Eis und Marmelade.

Das ist der ganze Grund, warum Wespen im September „plötzlich aggressiv“ wirken. Sie sind es nicht. Sie sind hungrig, zahlreich und haben nichts mehr zu verlieren. Gestochen wird fast immer, wenn ein Tier eingeklemmt oder weggeschlagen wird, nicht aus Angriffslust.

Das gilt nur für die zwei Arten, die überhaupt an den Tisch kommen: die Deutsche und die Gemeine Wespe. Welche Arten es sonst noch gibt und wie Sie sie unterscheiden, steht im Ratgeber Wespennest oder Hornissennest: Arten erkennen.

Was im Nest passiert: der Countdown

Ein Wespenvolk lebt genau eine Saison. Die Zahlen aus der Fachliteratur: Völker der Deutschen und Gemeinen Wespe erreichen im Spätsommer 4.000 bis 7.000 Tiere. Ab Ende August verlassen die Jungköniginnen und Männchen das Nest zum Hochzeitsflug. Die Arbeiterinnen sterben in den folgenden Wochen, das Volk erlischt je nach Witterung im Oktober oder November. Die alte Königin stirbt mit.

Was übrig bleibt, ist ein leeres Papiernest. Es wird nie wieder bezogen, das ist einer der hartnäckigsten Irrtümer. Jede Jungkönigin baut im Frühjahr ein neues Nest von Grund auf, oft in derselben Gegend, aber nie im alten Bau.

Arten mit frei hängendem Kugelnest, etwa die Sächsische oder die Mittlere Wespe, haben kleinere Völker und sind schon im August oder September fertig. Wer im September ein graues Nest am Dachüberstand entdeckt, sieht meist schon ein sterbendes oder totes Volk.

Wo die Königinnen überwintern

Die begatteten Jungköniginnen suchen ab September ein frostgeschütztes, trockenes Versteck: morsches Holz, Rindenspalten, Holzstapel, Kompost, Erdlöcher, und in Siedlungen sehr gern Gebäude. Rollladenkästen, Dachböden, Dämmung, Fensterrahmen, Garagen und Gartenhäuser sind typische Winterquartiere. Dort fallen die Tiere in eine Kältestarre und rühren sich bis zum Frühjahr nicht.

Zwei Folgen davon sehen wir jedes Jahr:

Die einzelne Wespe im Winter. Wenn im Dezember oder Februar eine Wespe träge durchs Wohnzimmer krabbelt, ist das eine Königin, die im Haus überwintert und durch Heizungswärme geweckt wurde. Sie hat kein Nest, kein Volk und keine Kraft. Ins Freie setzen oder das Fenster öffnen, mehr ist nicht nötig. Ein Nest im Haus zu suchen, ist in diesem Fall vergeblich.

Die Wespe im Rollladenkasten im März. Das ist dieselbe Königin, die aufwacht und einen Nistplatz sucht. Wer im Frühjahr einzelne große Wespen an immer derselben Stelle sieht, hat gute Chancen, ein Nest zu verhindern, indem er den Zugang jetzt verschließt. Im Juni ist dafür zu spät.

Wespen im Haus: Warum sie jetzt reinkommen

Im Herbst kommen Wespen aus drei Gründen ins Haus, und jeder braucht eine andere Antwort.

Sie suchen Zucker. Die offene Terrassentür, die Obstschale, der Mülleimer mit Saftresten. Das ist harmlos und endet mit den ersten Frostnächten. Fliegengitter, geschlossene Mülleimer und Obst im Kühlschrank reichen.

Das Nest sitzt im Haus. Rollladenkasten, Hohlwand, Dachboden, Zwischendecke. Dann kommen die Tiere nicht durch die Tür, sondern durch Ritzen, Lampenauslässe oder den Rollladenschlitz, oft ins Schlafzimmer, oft nachts durch Licht angezogen. Ein solches Nest ist im September noch voll besetzt, mit mehreren tausend Tieren, und kann noch sechs bis acht Wochen leben. Das ist der Fall, in dem eine Bekämpfung auch im Herbst noch sinnvoll ist, vor allem bei Kindern oder Allergikern im Haus.

Königinnen suchen ein Winterquartier. Einzelne große Tiere, die im September und Oktober an Fensterrahmen, Rollladenkästen und Dachfenstern kriechen. Sie bauen nichts, sie stechen nicht, sie wollen nur rein. Wer keine Wespe im Winterzimmer möchte, dichtet Rollladenschlitze mit Bürstendichtungen ab und schließt Dachbodenluken.

Was Sie jetzt noch tun sollten und was nicht

Nest im Garten, an der Hecke, unter dem Dachüberstand: nichts. Es stirbt in Wochen von allein. Gehen Sie dem Flugloch aus dem Weg, mähen Sie nicht direkt daneben, und lassen Sie das Nest hängen. Eine Bekämpfung wäre hier nicht nur unnötig, sondern auch nicht erlaubt: Nach § 39 Bundesnaturschutzgesetz braucht es einen vernünftigen Grund, und „stört beim Grillen“ ist keiner.

Nest im Rollladenkasten, in der Wand oder auf dem Dachboden mit Tieren in Wohnräumen: anrufen. Wir klären am Telefon, ob es sich noch lohnt, und nennen Ihnen einen festen Preis für den Termin. Bei einem Nest, das in vier Wochen ohnehin stirbt und niemanden gefährdet, sagen wir Ihnen das auch.

Hornissennest: in Ruhe lassen. Hornissen sind besonders geschützt, ihr Volk stirbt ebenfalls im Herbst, und sie sind trotz ihrer Größe deutlich friedlicher als Deutsche Wespen. Nur bei echter Gefährdung geht es über die Untere Naturschutzbehörde, siehe Wespennest entfernen: Was ist erlaubt?.

Am Tisch: Getränke abdecken, aus Flaschen nur mit Blick hinein trinken, süße Speisen erst beim Essen rausstellen, nicht nach den Tieren schlagen. Eine Ablenkfütterung mit überreifen Weintrauben zwei bis drei Meter entfernt hilft im September tatsächlich, weil die Tiere den leichteren Zucker nehmen. Sprays gehören nicht auf den Tisch und nicht ans Nest, sie töten wenige Tiere und machen den Rest wehrhaft.

Nach dem Winter: Das leere Nest darf raus, in Rollladenkästen und auf Dachböden sollte es sogar, weil das Material Speckkäfer und Motten anzieht. Dann den Zugang schließen, damit die nächste Königin sich eine andere Gegend sucht.

Wann wir kommen und wann nicht

Wir bekämpfen Wespennester nur, wenn ein vernünftiger Grund vorliegt: Nest im Haus mit Tieren in Wohnräumen, Allergiker oder Kleinkinder im Haushalt, Nester an Eingängen, Fluchtwegen, in Kitas, Pflegeeinrichtungen, Gastronomie oder Lebensmittelbetrieben. Im Herbst kommt die Frage dazu, ob das Nest überhaupt noch lange genug lebt, damit sich der Aufwand lohnt. Beides klären wir am Telefon, die Erstberatung ist kostenlos. Für jeden Termin nennen wir einen festen Preis, abgerechnet per Rechnung. Wie der Termin abläuft und was den Preis bestimmt, steht im Ratgeber Wespennest entfernen: Ablauf und Kosten. Wir sind in Bochum, Essen, Dortmund und in ganz NRW unterwegs.

Rechtslage auf einen Blick

  • •Alle Wespenarten stehen unter dem allgemeinen Artenschutz (§ 39 Abs. 1 BNatSchG). Auch im Herbst darf ein Nest nur mit vernünftigem Grund bekämpft werden. Belästigung beim Kaffeetrinken ist keiner.
  • •Hornissen sind besonders geschützt (§ 44 BNatSchG). Ihre Nester dürfen auch im Herbst nicht beschädigt werden, obwohl sie kurz vor dem Absterben stehen.

Keine Rechtsberatung. Bei konkreten Fragen zu Genehmigungen ist die zuständige Behörde Ihrer Stadt der richtige Ansprechpartner, wir helfen bei der Einordnung.

Häufige Fragen

Warum sind Wespen im September so aggressiv?

Aggressiver sind sie nicht, aber aufdringlicher und zahlreicher. Das Volk ist am größten, die Königin legt keine Eier mehr, und die Arbeiterinnen müssen keine Larven mehr versorgen. Sie brauchen nur noch Zucker für sich selbst und holen ihn sich vom Tisch. Stiche passieren, weil Menschen nach den Tieren schlagen, nicht weil die Wespen angreifen.

Wann sterben Wespen im Herbst?

Die Völker der Deutschen und Gemeinen Wespe sterben je nach Wetter im Oktober oder November. In milden Jahren fliegen einzelne Tiere bis in den Dezember. Arten mit frei hängendem Nest sind schon im August oder September fertig.

Ich habe im Winter eine Wespe im Zimmer, gibt es ein Nest?

Nein. Eine einzelne Wespe im Winter ist fast immer eine Jungkönigin, die im Haus überwintert hat, etwa im Rollladenkasten oder auf dem Dachboden, und durch Heizungswärme geweckt wurde. Sie ist träge, sticht nur bei Bedrängnis und stirbt meist, wenn sie kein kühles Versteck findet. Fenster auf oder mit einem Glas nach draußen setzen.

Wird ein altes Wespennest im nächsten Jahr wieder bewohnt?

Nein, nie. Jede Königin baut im Frühjahr ein neues Nest. Alte Nester können im Winter gefahrlos entfernt werden. Sinnvoll ist das in Rollladenkästen und auf Dachböden, weil altes Nestmaterial Speckkäfer und Motten anzieht. Allerdings suchen Königinnen oft dieselbe Gegend wieder auf, deshalb lohnt es sich, den Zugang zu schließen.

Lohnt sich eine Bekämpfung im Oktober noch?

Nur, wenn das Nest im Haus sitzt und Tiere in Wohnräume gelangen, oder wenn jemand im Haushalt allergisch ist. Ein Nest im Garten oder unter dem Dachüberstand stirbt in wenigen Wochen von allein. Wir sagen Ihnen das am Telefon ehrlich, bevor wir einen Termin machen.

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