Das Wichtigste in Kürze
- In Nordrhein-Westfalen ist fast jede Ratte eine Wanderratte: kräftig, braungrau, Schwanz kürzer als der Körper, kleine Ohren, lebt am Boden, gräbt, schwimmt, kommt aus Kanal, Keller und Garten.
- Die Hausratte ist schlanker, hat einen Schwanz, der länger ist als der Körper, große Ohren und eine spitze Schnauze. Sie klettert und lebt oben im Gebäude. In Deutschland ist sie selten geworden.
- Die Art entscheidet über die Bekämpfung: Wanderratten werden bodennah an Laufwegen bekämpft, Hausratten oben an Kletterwegen und mit anderen Ködern.
- Beide Arten sind nicht besonders geschützt und dürfen bekämpft werden, das Tierschutzgesetz gilt trotzdem.
Zwei Arten, ein Name
Wenn jemand im Ruhrgebiet “eine Ratte” gesehen hat, meint er fast immer die Wanderratte (Rattus norvegicus). Die zweite Art, die Hausratte (Rattus rattus), war bis ins 19. Jahrhundert die verbreitete Ratte in deutschen Städten und wurde dann von der größeren und robusteren Wanderratte verdrängt. Heute ist sie in Deutschland selten, mit einzelnen Vorkommen in Hafenstädten, alten Stadtkernen und landwirtschaftlichen Betrieben.
Trotzdem lohnt es sich, beide Arten zu kennen. Denn wer eine Ratte auf dem Dachboden findet, sollte wissen, ob eine kletternde Hausratte oder eine Wanderratte über die Fallrohre eingestiegen ist. Und wer die Merkmale kennt, verwechselt eine Wanderratte nicht mehr mit einer Maus, einem Bisam oder einem Jungtier.
Die Wanderratte: kräftig, bodennah, überall
Die Wanderratte ist die Ratte der Kanalisation, der Flussufer und der Keller. Ihre Merkmale:
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge etwa 20 bis 25 Zentimeter, Gewicht bis rund 500 Gramm, ausgewachsene Tiere wirken plump und muskulös.
- Schwanz: deutlich kürzer als der Körper, dick, an der Oberseite dunkel, unten heller.
- Kopf: stumpfe, breite Schnauze, kleine Ohren, die das Auge nicht erreichen, wenn man sie nach vorn legt.
- Fell: oberseits braungrau, unterseits hellgrau bis weißlich.
- Lebensweise: lebt am Boden, gräbt Baue mit mehreren Eingängen, schwimmt und taucht sehr gut, klettert nur, wenn es sein muss.
- Nahrung: Allesfresser mit Vorliebe für tierisches Eiweiß, Fleisch, Fisch, Speisereste, Tierfutter, Getreide.
- Lebensraum: Kanalisation, Uferböschungen, Bahndämme, Komposthaufen, Keller, Ställe, Lagerräume, Müllplätze.
Typische Fälle, die wir sehen, sind Ratten im Keller nach Kanalarbeiten oder Ratten im Garten, die vom Komposter angelockt werden. Beides sind fast ausnahmslos Wanderratten.
Die Hausratte: schlank, kletternd, selten
Die Hausratte heißt auch Dachratte oder Schiffsratte, und die Namen sagen schon viel:
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge etwa 16 bis 22 Zentimeter, Gewicht meist unter 250 Gramm, schlank und leicht.
- Schwanz: länger als der Körper, dünn, einfarbig dunkel.
- Kopf: spitze Schnauze, große, dünne, fast nackte Ohren, die das Auge überdecken, wenn man sie nach vorn legt, große Augen.
- Fell: meist dunkelgrau bis schwarz, es gibt auch braune Formen mit heller Unterseite.
- Lebensweise: hervorragender Kletterer, lebt oben in Gebäuden, auf Dachböden, in Zwischendecken, an Balken, in Bäumen und Efeu. Gräbt kaum, meidet Wasser.
- Nahrung: bevorzugt pflanzliche Kost, Obst, Getreide, Nüsse, Samen.
- Lebensraum: wärmeliebend, in Deutschland nur noch vereinzelt in Häfen, historischen Stadtkernen, Bauernhöfen, Mühlen und Lagern.
In Teilen Deutschlands wird die Hausratte in der Roten Liste geführt, weil sie so selten geworden ist. Ein besonderer Schutzstatus folgt daraus nicht. Sie gilt wie die Wanderratte als Gesundheitsschädling und darf bekämpft werden, nur eben tierschutzgerecht.
Merkmale im direkten Vergleich
| Merkmal | Wanderratte | Hausratte |
|---|---|---|
| Körperbau | kräftig, plump | schlank, leicht |
| Schwanz | kürzer als der Körper, zweifarbig | länger als der Körper, einfarbig |
| Ohren | klein, behaart | groß, dünn, fast nackt |
| Schnauze | stumpf, breit | spitz |
| Augen | klein | groß |
| Fellfarbe | braungrau, Bauch hell | dunkelgrau bis schwarz, auch braun |
| Fortbewegung | Boden, Schwimmen, Graben | Klettern |
| Aufenthaltsort | Keller, Kanal, Garten, Erdgeschoss | Dachboden, Zwischendecken, Balken |
| Kot | 1 bis 2 cm, spindelförmig, stumpfe Enden, in Gruppen | ca. 1 cm, gebogen, spitze Enden, verstreut |
| Nahrung | Allesfresser, gern tierisch | bevorzugt pflanzlich |
| Vorkommen in NRW | überall | Ausnahme |
Wer nur Kot findet und kein Tier, kommt mit dem Ratgeber Rattenkot erkennen weiter.
Warum die Art für die Bekämpfung zählt
Ein sachkundiger Schädlingsbekämpfer bestimmt die Art zuerst, weil sie über das gesamte Vorgehen entscheidet:
- Ort der Köderstationen und Fallen. Wanderratten laufen am Boden entlang von Wänden, Rohren und Kanten. Dort werden Stationen und Schlagfallen platziert, im Keller, an Rohrdurchführungen, an Bau-Eingängen und Laufwegen im Garten. Hausratten bewegen sich oben. Fallen am Boden erreichen sie kaum, Stationen gehören auf Balken, Dachböden, Rohrleitungen und an Kletterwege.
- Köderwahl. Wanderratten nehmen Köder mit Fett und tierischem Anteil gut an. Hausratten bevorzugen Getreide, Nüsse, Trockenfrüchte. Ein falscher Köder wird schlicht ignoriert.
- Zugänge. Wanderratten kommen von unten: Kanalanschluss, Rückstauklappe, Kellerschacht, Bodenlöcher, Türspalten. Hausratten kommen von oben: Dachüberstand, Fallrohre, Efeu, Bäume, Kabeldurchführungen unter dem Dach. Die Abdichtung setzt entsprechend woanders an.
- Verhalten gegenüber Neuem. Beide Arten sind vorsichtig gegenüber unbekannten Gegenständen, Wanderratten besonders stark. Deshalb werden Fallen und Stationen erst einige Tage ungeschärft aufgestellt, bevor sie scharf gemacht oder mit Wirkstoff bestückt werden. Diese Wartezeit ist kein Fehler, sondern Voraussetzung für den Erfolg.
Weil Hausratten bei uns so selten sind, führt eine Sichtung “oben im Haus” meist trotzdem zur Wanderratte, die über eine Fallrohrleitung, eine Kellertreppe oder einen Versorgungsschacht aufgestiegen ist. Der Fall Ratten auf dem Dachboden ist deshalb oft ein Kanal- oder Kellerproblem, das nur oben sichtbar wird.
Verbreitung im Ruhrgebiet und Rheinland
Das Ruhrgebiet mit seiner alten, weit verzweigten Kanalisation, den Emscher- und Ruhrufern, Bahntrassen, Halden und Kleingartenanlagen ist ideales Wanderrattengebiet. Städte wie Gelsenkirchen, Duisburg oder Oberhausen melden regelmäßig Befall an Uferböschungen, Kanalbaustellen und in dicht bebauten Altbauquartieren. Im Rheinland kommen Rhein- und Hafenanlagen hinzu.
Hausratten sind in Nordrhein-Westfalen eine Rarität. Einzelne Funde werden aus Hafenbereichen und landwirtschaftlichen Betrieben gemeldet. Wenn Sie glauben, eine Hausratte gesehen zu haben, ist das kein Grund für andere Sorgen, sondern nur ein Hinweis für uns, wo wir suchen und arbeiten müssen.
Verwechslungen: Bisam, Jungtier, Maus
- Bisam: Der Bisam ist ein Wasserbewohner mit dichtem braunem Fell, seitlich abgeflachtem Schwanz und deutlich größer als eine Ratte. Er wird an Bächen, Teichen und Kanälen mit Ratten verwechselt, lebt aber nicht in Gebäuden und wird nicht von Schädlingsbekämpfern, sondern von zuständigen Stellen bejagt.
- Junge Wanderratte: wirkt auf den ersten Blick wie eine große Maus. Erkennungszeichen sind die im Verhältnis großen Hinterfüße, der dicke Kopf, der kräftige Schwanz und der plumpe Körper. Junge Ratten laufen oft in Gruppen.
- Hausmaus: bleibt zierlich, 7 bis 10 Zentimeter Körperlänge, dünner Schwanz etwa so lang wie der Körper, große Ohren, spitze Schnauze. Sie bewegt sich ruckartig, Ratten eher gleitend und schwer.
Ein Tipp: Legen Sie an einer Laufstelle einen dünnen Mehlstreifen aus. Rattenpfoten hinterlassen deutliche Abdrücke mit langen Zehen und eine Schwanzschleifspur, Mäuse nur winzige Punkte.
Vermehrung: warum Sie nicht warten sollten
Wanderratten sind ganzjährig fortpflanzungsfähig. Unter guten Bedingungen bekommt ein Weibchen mehrere Würfe pro Jahr mit jeweils sechs bis zwölf Jungen. Die Jungtiere sind nach etwa zwei bis drei Monaten selbst geschlechtsreif. Diese Angaben sind Richtwerte, sie schwanken mit Futterangebot und Temperatur. In der Praxis bedeutet das: Wer im Frühjahr ein Tier sieht und nichts tut, hat im Herbst eine Population. Auch im Winter geht die Vermehrung in beheizten Kellern und Ställen weiter.
Was Sie tun können
Für Sie als Betroffener ändert die Art wenig am ersten Schritt: Futterquellen entfernen, Zugänge verschließen, Kot und Spuren fotografieren, nicht selbst mit Gift experimentieren. Was Privatpersonen rechtlich dürfen, steht im Ratgeber Rattengift: Was Privatpersonen dürfen. Alles Weitere bestimmt der Fachbetrieb vor Ort: Art, Laufwege, Zugänge, Köderplätze. Bei uns hat jeder Termin einen vorab genannten Festpreis, abgerechnet per Rechnung, und die Erstberatung am Telefon ist kostenlos. Wir sind als Kammerjäger in ganz Nordrhein-Westfalen unterwegs, eine Übersicht finden Sie unter Einsatzgebiete.
Rechtslage auf einen Blick
- •Wanderratte und Hausratte stehen nicht unter besonderem Artenschutz. Die Hausratte wird in der Roten Liste der Säugetiere Deutschlands als gefährdet geführt, das begründet aber keinen rechtlichen Schutz vor Bekämpfung.
- •Ratten gelten als Gesundheitsschädlinge im Sinne des Infektionsschutzgesetzes (§ 2 Nr. 12 IfSG). Die Behörde kann eine Bekämpfung anordnen (§ 17 IfSG).
- •Töten nur mit den nötigen Kenntnissen und ohne vermeidbare Schmerzen (§ 4 TierSchG). Klebefallen sind unzulässig.
Keine Rechtsberatung. Bei konkreten Fragen zu Genehmigungen ist die zuständige Behörde Ihrer Stadt der richtige Ansprechpartner, wir helfen bei der Einordnung.
Häufige Fragen
Welche Ratte ist bei mir im Haus?
Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit eine Wanderratte. Sie ist im Ruhrgebiet und im Rheinland die Regel. Hausratten kommen in Deutschland nur noch vereinzelt vor, etwa in Hafenanlagen oder alten Innenstädten. Wenn Sie ein schlankes Tier mit sehr langem Schwanz und großen Ohren auf dem Dachboden sehen, lohnt sich ein genauer Blick, das ist aber die Ausnahme.
Ist das eine junge Ratte oder eine Maus?
Junge Wanderratten haben im Verhältnis große Füße und einen dicken Kopf, der Schwanz ist kräftig und der Körper wirkt plump. Hausmäuse bleiben zierlich, haben eine spitze Schnauze, große Ohren und einen dünnen Schwanz. Auch der Kot hilft: Rattenkot ist 1 bis 2 Zentimeter lang, Mäusekot reiskorngroß.
Sind Hausratten geschützt?
Nein. Die Hausratte steht zwar auf der Roten Liste, ist aber nicht nach Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt. Als Gesundheitsschädling darf sie bekämpft werden. Es gelten die Regeln des Tierschutzgesetzes, also keine Klebefallen und nur zugelassene Mittel und Fallen.
Wie schnell vermehren sich Ratten?
Sehr schnell. Eine Wanderratte bekommt unter guten Bedingungen mehrere Würfe pro Jahr mit jeweils sechs bis zwölf Jungen, die nach etwa zwei bis drei Monaten selbst geschlechtsreif sind. Die Zahlen schwanken je nach Futter und Klima. Ein kleiner Befall im Frühjahr kann bis zum Herbst zu einem großen werden.