Tauben auf dem Balkon: Erlaubte und wirksame Abwehr

Stadttauben nisten auf Balkonen, Simsen und in Dachnischen. Welche Abwehr erlaubt ist, was bei Nestern und Eiern gilt und warum Taubenzecken danach ein Thema werden.

Ratgeber der Knipp, Neumann & Co. GmbH · 7 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Stadttauben dürfen nicht getötet oder vergiftet werden. Erlaubt sind Vergrämung und bauliche Abwehr, die den Tieren keine Verletzungen zufügen.
  • Nester mit Eiern oder Jungtieren nicht eigenmächtig entfernen. Wer wartet, bis die Jungen ausgeflogen sind, und dann abdichtet, handelt rechtssicher.
  • Netze, Spikes und Spanndrähte wirken nur, wenn sie fachgerecht und vollständig montiert sind. Lücken finden Tauben in Tagen.
  • Taubenkot ist nicht nur unhygienisch, er zerstört Bausubstanz. Nach der Vergrämung können Taubenzecken in die Wohnung wandern.

Warum Tauben ausgerechnet Ihren Balkon wählen

Stadttauben stammen von Felsentauben ab, die an Klippen brüten. Balkone, Fenstersimse, Dachnischen, Fassadenvorsprünge und Hallenträger sind für sie Felsen. Sie bevorzugen geschützte, überdachte Plätze mit freiem Anflug: Balkonecken hinter Blumenkästen, Bereiche unter Markisen, Nischen an Klimageräten, Lüftungsgitter. Ein Balkon, der selten genutzt wird, ist innerhalb weniger Wochen besetzt, besonders in Innenstadtlagen von Bochum, Essen, Dortmund und Gelsenkirchen, wo Tauben im Umfeld von Bahnhöfen, Fußgängerzonen und Hinterhöfen in großer Zahl leben.

Tauben sind extrem standorttreu. Ein Paar, das einmal gebrütet hat, kommt immer wieder, und die Jungvögel bleiben ebenfalls in der Nähe. Deshalb bringt Verscheuchen allein nichts.

Was verboten ist

Tauben sind Wirbeltiere im Sinne des Tierschutzgesetzes. Daraus folgt:

  • Kein Töten, kein Vergiften, kein Abschießen. Es gibt keine für Tauben zugelassenen Gifte, und die Tötung ohne vernünftigen Grund ist eine Straftat.
  • Keine Abwehr, die verletzt. Spitze Spikes, lose Netze, in denen sich Vögel verfangen, elektrische Systeme mit Verletzungswirkung und Klebepasten sind unzulässig.
  • Jungtiere nicht zu Schaden kommen lassen. Ein Nest mit Küken darf nicht abgeräumt oder abgesperrt werden.

Ob Stadttauben als verwilderte Haustiere oder als wild lebende Tiere gelten, ist juristisch nicht abschließend geklärt. Für Sie als Hausbesitzer oder Mieter spielt das kaum eine Rolle, weil das Tierschutzgesetz in beiden Fällen gilt.

Was Sie selbst tun dürfen

  • Nicht füttern und keine Futterquellen schaffen. Vogelhäuschen auf dem Balkon, offener Müll, Essensreste. In vielen Städten ist das Füttern von Stadttauben ohnehin verboten.
  • Balkon nutzen. Tauben meiden Plätze, an denen regelmäßig Menschen sind.
  • Nestansätze früh entfernen, solange keine Eier darin liegen, und die Stelle sofort blockieren. Tauben legen meist zwei Eier, die Brut dauert 17 bis 18 Tage, danach bleiben die Jungen etwa vier Wochen im Nest.
  • Landeplätze unbrauchbar machen: Blumenkästen umstellen, Geländer mit Spanndraht oder stumpfen Spikes versehen, Ecken mit Netz sichern. Auf gemieteten Balkonen den Vermieter einbeziehen, weil Bohrungen an der Fassade seine Zustimmung brauchen.
  • Kot mit Vorsicht entfernen: Anfeuchten, Handschuhe, FFP2-Maske, nicht trocken kehren.

Was der Fachbetrieb macht

Wirksame Taubenabwehr ist Montagearbeit, kein Verscheuchen. Wir prüfen zuerst, ob der Balkon oder die Fassade ein Rast-, Schlaf- oder Brutplatz ist, danach richtet sich das System:

SituationGeeignetes System
Geländer, Simse, Vorsprünge (Rastplatz)stumpfe Edelstahlspikes oder Spanndrahtsysteme
Balkonnischen, Loggien, Innenhöfe (Brutplatz)engmaschiges, straff gespanntes Netz, unauffällig in Fassadenfarbe
Fensterbänke, AttikenSchrägbleche, Spanndrähte
Hallen, Bahnhöfe, Parkhäuser, IndustriedächerEinnetzung ganzer Bereiche, Vergrämungssysteme
Denkmalgeschützte Fassadenmit der Denkmalbehörde abgestimmte, reversible Systeme

Wichtig ist Vollständigkeit: Ein Netz mit einer Lücke von 5 Zentimetern ist wirkungslos. Nach der Montage reinigen wir Kotflächen, entsorgen Nistmaterial und behandeln die Nistplätze gegen Taubenzecken und andere Nestbewohner wie Speckkäfer und Vogelmilben. Jeder Termin hat einen vorab genannten Festpreis, größere Montagen bekommen Sie als schriftliches Angebot. Abrechnung per Rechnung. Mehr auf unserer Seite zur Taubenabwehr.

Taubenzecken: Das unterschätzte Problem nach der Vergrämung

Die Taubenzecke (Argas reflexus) lebt in Ritzen rund um Taubennester und saugt nachts an den Vögeln. Werden die Tauben vertrieben oder das Nest entfernt, fehlen der Zecke die Wirte. Sie kann Monate hungern und wandert dabei durch Rollladenkästen, Fensterfugen und Lüftungen in Wohnungen, wo sie Menschen sticht. Die Stiche jucken stark, in seltenen Fällen kommt es zu allergischen Reaktionen. Deshalb gehört zu jeder Taubenabwehr an Brutplätzen eine Behandlung der Nistplätze und das Abdichten der Ritzen zur Wohnung hin. Wer nach einer Taubenvergrämung nachts gestochen wird, sollte an Taubenzecken denken und uns anrufen.

Tauben im Mietshaus und am Gewerbeobjekt

Auf einem gemieteten Balkon ist der Vermieter für bauliche Abwehr zuständig, wenn der Befall die Nutzung beeinträchtigt. Melden Sie den Befall schriftlich, mehr dazu im Ratgeber Schädlinge in der Mietwohnung. Für Hausverwaltungen, Wohnungsunternehmen, Logistikhallen und Lebensmittelbetriebe planen wir Abwehrsysteme für ganze Gebäude, siehe Immobilienwirtschaft und Industrie und Logistik. Wir sind in Bochum, Essen, Dortmund und in ganz NRW im Einsatz.

Rechtslage auf einen Blick

  • Tierschutzgesetz § 1 und § 17: Tauben dürfen nicht ohne vernünftigen Grund getötet werden. Vergiften, Abschießen oder Verletzen durch Abwehrsysteme ist verboten. Straftat mit Freiheitsstrafe bis 3 Jahre möglich.
  • Stadttauben gelten überwiegend als verwilderte Haustiere. Ob das Bundesnaturschutzgesetz auf sie anwendbar ist, ist rechtlich umstritten. Unabhängig davon verbietet das Tierschutzgesetz, brütende Tiere und Jungtiere zu Schaden kommen zu lassen.
  • Abwehrsysteme müssen tierschutzgerecht sein: stumpfe Spikes, engmaschige und straff gespannte Netze, in denen sich keine Vögel verfangen. Klebepasten, die das Gefieder verkleben, sind unzulässig.
  • Viele Städte in NRW verbieten das Füttern von Stadttauben in ordnungsbehördlichen Verordnungen. Verstöße sind Ordnungswidrigkeiten. Auskunft gibt das Ordnungsamt Ihrer Stadt.

Keine Rechtsberatung. Bei konkreten Fragen zu Genehmigungen ist die zuständige Behörde Ihrer Stadt der richtige Ansprechpartner, wir helfen bei der Einordnung.

Häufige Fragen

Darf ich ein Taubennest vom Balkon entfernen?

Ein leeres Nest oder Nestansätze ohne Eier dürfen Sie entfernen und die Stelle danach sichern. Liegen Eier oder Jungtiere darin, raten wir davon ab: Jungtiere dürfen nicht zu Schaden kommen, und die Rechtslage bei Eiern ist nicht eindeutig. Warten Sie die Brut ab, das dauert rund vier bis fünf Wochen, und verschließen Sie danach sofort.

Helfen Plastikraben, CDs oder Windräder?

Höchstens ein paar Tage. Stadttauben sind Gewöhnungskünstler. Dauerhaft wirkt nur, was den Landeplatz physisch unbrauchbar macht: Spikes, Netze, Spanndrähte, Schrägbleche.

Wie gefährlich ist Taubenkot?

Frischer Kot ist wenig problematisch. Eingetrockneter Kot enthält Sporen und Bakterien, die beim Einatmen von Staub Atemwegserkrankungen auslösen können. Zusätzlich ist Taubenkot säurehaltig und zerstört Putz, Stein und Metall. Größere Kotmengen sollten mit Atemschutz und Handschuhen oder durch einen Fachbetrieb entfernt werden.

Was sind Taubenzecken?

Die Taubenzecke lebt in Taubennestern und Ritzen in deren Nähe. Werden die Tauben vertrieben, sucht sie neue Wirte und wandert in Wohnungen, wo sie Menschen sticht. Deshalb behandeln wir Nistplätze nach der Vergrämung und dichten Ritzen ab, bevor die Zecken wandern.