Das Wichtigste in Kürze
- Silberfische, korrekt Silberfischchen, leben nur dort, wo die Luftfeuchte über längere Zeit hoch ist. Wer sie regelmäßig sieht, hat ein Feuchtigkeitsproblem, kein Hygieneproblem.
- Die häufigsten Ursachen sind Bäder ohne Fenster, Wäsche in der Wohnung, undichte Silikonfugen, Wärmebrücken an Außenwänden und Restfeuchte im Neubau.
- Ein paar Tiere im Bad sind normal. Viele Tiere, Tiere in Wohnräumen oder Tiere trotz trockener Räume sind ein Grund, genauer hinzusehen.
- Sprays beheben nichts. Wer die Feuchtigkeit nicht abstellt, hat die Tiere in wenigen Wochen wieder.
Silberfische sind ein Messgerät, das nichts kostet
Silberfische, korrekt Silberfischchen (Lepisma saccharinum), leben seit Jahrtausenden in menschlichen Behausungen und haben eine einzige feste Bedingung: Feuchtigkeit. Ihr Optimum liegt bei 80 bis 90 Prozent Luftfeuchte; in dauerhaft trockener Luft unter etwa 60 Prozent entwickeln sich Eier und Jungtiere kaum noch. Genau deshalb sind sie nützlich, auch wenn niemand sie mag. Wer nachts im Bad das Licht anschaltet und mehrere Tiere davonhuschen sieht, bekommt eine Information, die sonst nur ein Hygrometer liefert: In diesem Raum ist es dauerhaft zu feucht.
Das ist der Punkt, an dem die meisten falsch abbiegen. Sie kaufen ein Spray, die Tiere verschwinden für zwei Wochen, dann sind sie wieder da. Das Spray hat die Tiere getötet, die gerade unterwegs waren. Die Eier in den Ritzen, die Feuchtigkeit hinter der Fußleiste und die Ursache dahinter hat es nicht erreicht. Dieser Artikel geht deshalb den anderen Weg: erst die Ursache, dann die Tiere.
Wenn Sie unsicher sind, ob Sie Silberfischchen oder die deutlich lästigeren Papierfischchen im Haus haben, lesen Sie zuerst Silberfischchen und Papierfischchen unterscheiden. Papierfischchen brauchen keine Feuchtigkeit, und alles, was hier steht, hilft gegen sie nicht.
Woher die Feuchtigkeit kommt: die sieben häufigsten Ursachen
Aus unseren Einsätzen im Ruhrgebiet lassen sich die Ursachen fast immer einer dieser Gruppen zuordnen. Die Reihenfolge entspricht grob der Häufigkeit.
1. Bad ohne Fenster oder mit zu schwacher Lüftung. Innenliegende Bäder in Mehrfamilienhäusern der 1960er bis 1980er Jahre haben oft nur einen Lüfter, der nach dem Duschen zu früh abschaltet. Die Feuchte bleibt in Fugen, hinter der Wanne und unter dem Waschbecken. Das ist der klassische Lebensraum.
2. Wäsche in der Wohnung. Ein Wäscheständer gibt zwei bis drei Liter Wasser an die Raumluft ab. Wer im Winter im Wohn- oder Schlafzimmer trocknet und dabei die Fenster geschlossen hält, schafft ein Klima, in dem Silberfischchen auch außerhalb des Bads auftauchen.
3. Undichte Silikonfugen und Rohrdurchführungen. Die Fuge zwischen Wanne und Wand reißt nach einigen Jahren. Jedes Duschen drückt dann Wasser dahinter, wo es nie trocknet. Dasselbe gilt für die Durchführungen von Wasser- und Abflussrohren, wenn sie nicht abgedichtet sind.
4. Wärmebrücken an Außenwänden. In Ecken, hinter Schränken an der Außenwand und an Fensterlaibungen ist die Wand kälter. Dort kondensiert die Raumluft, die Tapete wird feucht, und Silberfischchen finden Nahrung im Kleister. Wer die Tiere hinter dem Kleiderschrank im Schlafzimmer findet, hat meist eine Wärmebrücke.
5. Restfeuchte im Neubau. Ein Neubau enthält nach der Fertigstellung mehrere tausend Liter Wasser in Estrich, Putz und Mauerwerk. Im ersten Jahr sind Silberfischchen deshalb häufig, auch in Häusern, die später völlig trocken sind. Das legt sich, wenn richtig geheizt und gelüftet wird.
6. Keller und Waschküche. Kellerwände sind kühl, im Sommer kondensiert die warme Außenluft daran. Wer im Sommer den Keller lüftet, holt Feuchte hinein statt hinaus. Zusammen mit Kartons, Zeitungen und Tapetenresten ist der Keller oft die Quelle, von der aus die Tiere über Rohrschächte in die Wohnungen wandern.
7. Verdeckte Wasserschäden. Ein tropfendes Rohr in der Wand, eine undichte Dusche, eine defekte Dichtung an der Spülmaschine. Silberfischchen sind hier oft das erste sichtbare Zeichen, lange bevor sich ein Fleck an der Wand zeigt. Tauchen die Tiere plötzlich in einem bisher trockenen Raum auf, lohnt sich diese Frage zuerst.
Was die Fundstelle über die Ursache verrät
Wo Sie die Tiere sehen, sagt viel darüber, wo Sie suchen müssen.
| Fundstelle | Wahrscheinliche Ursache | Erster Schritt |
|---|---|---|
| Bad, Boden und Fugen | Luftfeuchte nach dem Duschen bleibt | Stoßlüften oder Lüfter länger laufen lassen, Fugen prüfen |
| Unter Waschbecken oder Wanne | Undichter Siphon, gerissene Fuge | Mit Taschenlampe und trockenem Papier auf Tropfen prüfen |
| Küche, hinter Spülmaschine oder Spüle | Leckage, Kondenswasser | Gerät herausziehen, Boden und Anschluss ansehen |
| Schlafzimmer, hinter Schränken an der Außenwand | Wärmebrücke, Kondensat | Schrank fünf Zentimeter von der Wand abrücken, Hygrometer aufstellen |
| Wohnzimmer, ohne erkennbare Feuchtquelle | Wäsche trocknen, Zimmerpflanzen, Aquarium, oder Papierfischchen | Feuchte messen; bei unter 60 Prozent an Papierfischchen denken |
| Keller, Waschküche | Sommerkondensation, Kartons, Erdfeuchte | Im Sommer nur nachts lüften, Kartons entfernen |
| Mehrere Wohnungen im Haus | Rohrschächte, Kellerfeuchte, Baumangel | Vermieter oder Hausverwaltung informieren |
Ein Hygrometer für wenige Euro klärt die meisten Fälle. Liegt die Luftfeuchte über Tage bei über 65 Prozent, haben Sie die Ursache. Liegt sie bei 45 bis 55 Prozent und die Tiere sind trotzdem da, sind es sehr wahrscheinlich keine Silberfischchen.
Was Sie selbst tun können, in dieser Reihenfolge
- Feuchte messen. Ein Hygrometer in jeden Raum, in dem Tiere auftauchen. Ziel: unter 60 Prozent, im Bad direkt nach dem Duschen darf es kurz darüber liegen.
- Lüften ändern. Im Bad nach dem Duschen zehn Minuten Fenster ganz auf, nicht kippen. Bei innenliegenden Bädern den Lüfter auf Nachlauf stellen oder die Tür einen Spalt offen lassen. Wäsche nur in Räumen trocknen, die anschließend gelüftet werden.
- Wasser suchen. Alle Siphons, Fugen und Geräteanschlüsse einmal mit trockenem Küchenpapier prüfen. Ein feuchter Fleck ist eine Ursache.
- Fugen erneuern. Gerissene Silikonfugen komplett entfernen und neu ziehen. Rohrdurchführungen mit Acryl oder Brandschutzmasse schließen. Damit nehmen Sie den Tieren den Weg und das Versteck.
- Verstecke räumen. Kartons, Zeitungsstapel, alte Tapetenreste, Bodenmatten mit Gummiunterseite. Alles, was Feuchte hält und Stärke liefert.
- Keller richtig lüften. Im Sommer nur nachts oder frühmorgens, wenn die Außenluft kühler ist als der Keller. Im Winter tagsüber.
- Abwarten. Silberfischchen leben etwa zwei bis fünf Jahre, vermehren sich aber ohne Feuchte kaum noch. Nach einigen Wochen mit trockener Luft sehen Sie deutlich weniger Tiere. Der Rest verschwindet über Monate.
Was Sie sich sparen können: Lavendelöl, Zitronen, Backpulver und die üblichen Hausmittel. Sie vertreiben höchstens die Tiere, die gerade sichtbar sind. Auch Sprays aus dem Baumarkt sind Biozide und gehören nicht auf Flächen, die Kinder und Haustiere berühren. Gegen eine Ursache, die in der Wand sitzt, richten sie nichts aus.
Wann Silberfische ein Fall für den Fachbetrieb sind
In den meisten Wohnungen erledigt sich das Thema mit den Schritten oben. Es gibt aber Fälle, in denen das nicht reicht:
- Die Räume sind trocken, die Tiere bleiben. Dann ist entweder die Feuchtequelle verdeckt, etwa in einem Schacht oder hinter einer Vorsatzschale, oder es sind Papierfischchen. Beides klären wir vor Ort.
- Mehrere Wohnungen im Haus sind betroffen. Dann sitzt die Ursache im Gebäude, meist im Keller oder in den Steigschächten. Einzelne Mieter kommen dagegen nicht an, hier ist die Hausverwaltung gefragt.
- Gewerbliche Räume. In Küchen, Praxen, Lagern und Wäschereien ist ein Befall Teil der Hygienedokumentation und muss nachweisbar behandelt werden.
- Nach einem Wasserschaden. Wenn nach der Trocknung die Tiere bleiben, sitzen sie in Hohlräumen, die nicht mit getrocknet wurden.
Wir arbeiten dann nicht mit Sprühnebel im Raum, sondern mit Stäuben und Ködern gezielt in den Verstecken: hinter Fußleisten, in Rohrschächten, unter Wannen. Vorher klären wir die Ursache, sonst ist der Termin Geldverschwendung. Wie das im Einzelnen abläuft, steht auf der Seite Silberfischbekämpfung.
Sie erreichen uns während der Öffnungszeiten telefonisch, die Erstberatung ist kostenlos, gern mit einem Foto der Tiere. Für jeden Termin nennen wir vorab einen festen Preis, abgerechnet per Rechnung. Unsere Techniker sind in Bochum, Essen, Gelsenkirchen und in ganz NRW täglich unterwegs.
Häufige Fragen
Warum habe ich plötzlich Silberfische in der Wohnung?
Meist hat sich etwas an der Feuchtigkeit geändert: eine neue Waschmaschine im Bad, Wäsche auf dem Ständer im Wohnzimmer, ein Fenster, das seit dem Austausch dichter schließt, ein Rohrbruch hinter der Wand. Auch nach einem Umzug in einen Neubau sind Silberfischchen im ersten Jahr häufig, weil der Bau noch austrocknet.
Kommen Silberfische aus dem Abfluss?
Sie leben nicht im Abfluss, nutzen ihn aber als Weg und Versteck. Siphons, Rohrdurchführungen und die Ritze zwischen Wanne und Wand sind feucht und dunkel. Wer dort Tiere sieht, sollte die Fugen und den Anschluss prüfen, nicht den Abfluss desinfizieren.
Sind Silberfische ein Zeichen für Schimmel?
Nicht zwingend, aber beides hat dieselbe Ursache. Silberfischchen vermehren sich am besten bei 80 bis 90 Prozent Luftfeuchte, Schimmel wächst an kühlen Wänden schon ab etwa 70 Prozent. Viele Silberfischchen sind deshalb eine Vorwarnung: Wird die Feuchte nicht abgestellt, folgt oft der Schimmel.
Muss ich als Mieter den Vermieter informieren?
Bei einzelnen Tieren im Bad nicht. Wenn die Ursache baulich ist, also undichte Fenster, Wärmebrücken, feuchte Wände oder ein Wasserschaden, ist der Vermieter zuständig und sollte schriftlich informiert werden. Mehr dazu im Ratgeber Schädlinge in der Mietwohnung.
Wann brauche ich einen Fachbetrieb?
Wenn die Räume nachweislich trocken sind und trotzdem viele Tiere auftauchen, wenn mehrere Wohnungen im Haus betroffen sind oder wenn Sie unsicher sind, ob es Silberfischchen oder Papierfischchen sind. Wir prüfen die Ursache vor Ort und behandeln die Verstecke gezielt. Jeder Termin hat einen vorab genannten Festpreis.
Quellen und Rechtsgrundlagen