Das Wichtigste in Kürze
- Wanderratten leben fast überall in Kanalisation, Bahndämmen und Uferböschungen. Sichtbar werden sie, wenn sie Futter und Unterschlupf finden: Komposter, Vogelfutter, Tierfutter, gelbe Säcke, Sperrmüll.
- Sie sind Gesundheitsschädlinge. In Bochum, Essen, Dortmund und den meisten Städten in NRW ist der Grundstückseigentümer verpflichtet, einen Befall auf seinem Grundstück bekämpfen zu lassen. Die Stadt kümmert sich um öffentliche Flächen und die Kanalisation.
- Rattengift dürfen Privatpersonen nur noch sehr eingeschränkt kaufen und anwenden. Wirksame Wirkstoffe sind Fachbetrieben mit Sachkunde vorbehalten.
- Erster Schritt ist immer die Ursache: Futterquellen weg, Zugänge dicht, Unterschlupf entfernen. Ohne das hilft keine Bekämpfung dauerhaft.
Warum Ratten plötzlich im Garten auftauchen
Die Wanderratte (Rattus norvegicus) ist in jeder Stadt im Ruhrgebiet und im Rheinland heimisch. Sie lebt in der Kanalisation, an Bahndämmen, in Uferböschungen von Emscher, Ruhr und Rhein-Herne-Kanal und in Grünanlagen. Solange sie dort bleibt, bemerkt sie niemand.
Sichtbar wird sie, wenn sie in Wohngebieten drei Dinge findet: Futter, Wasser und Unterschlupf. Typische Auslöser sind:
- Komposter mit Essensresten, Fleisch oder gekochten Speisen
- Vogelfutter, das auf den Boden fällt, und Futterstellen für Igel oder Katzen
- Hühner-, Kaninchen- und Taubenhaltung mit offen stehendem Futter
- Gelbe Säcke und Biotonnen, die tagelang draußen stehen
- Baustellen und Kanalarbeiten in der Nachbarschaft, die Tiere aus der Kanalisation vertreiben
- Holzstapel, Gerümpel, dichte Efeuwände, Hohlräume unter Terrassen und Gartenhäusern
Viele Meldungen kommen im Spätsommer und Herbst. Dann sind die Populationen nach der Sommerbrut am größten, und die Tiere suchen frostsichere Quartiere in Kellern, Garagen und Schuppen.
Woran Sie einen Rattenbefall erkennen
- Kot: 1 bis 2 Zentimeter lang, spindelförmig, dunkel, in Gruppen entlang der Laufwege.
- Löcher: Daumendicke Erdlöcher mit Auswurf, oft an Mauern, unter Komposthaufen oder Gartenhäusern.
- Laufwege: Niedergetretene Pfade im Gras, Schmierspuren an Sockeln und Rohren.
- Nagespuren: An Kabeln, Kunststoffrohren, Holz, Türunterkanten.
- Geräusche: Kratzen und Rascheln in Zwischendecken, Kellern oder Doppelwänden, meist nachts.
- Tiere bei Tag: Wer Ratten tagsüber sieht, hat meist einen größeren Befall. Die Tiere sind nachtaktiv und zeigen sich nur bei Futtermangel oder hoher Dichte am Tag.
Wenn Sie unsicher sind, ob es Ratten oder Mäuse sind, lesen Sie auch unseren Ratgeber zu Mäusen im Haus.
Wer ist zuständig: Sie, der Vermieter oder die Stadt?
Ratten sind Gesundheitsschädlinge nach dem Infektionsschutzgesetz. Deshalb gibt es klare Zuständigkeiten, die in den Städten in NRW über ordnungsbehördliche Verordnungen geregelt sind. Der Grundsatz ist überall ähnlich:
| Wo ist der Befall? | Wer muss handeln? |
|---|---|
| Eigenes Grundstück, Haus, Garten, Garage | Eigentümer oder Nutzungsberechtigter |
| Mietshaus, Hof, Müllplatz, Keller | Vermieter bzw. Hausverwaltung, Mieter melden den Befall |
| Öffentliche Fläche, Park, Spielplatz, Straße | Stadt (Ordnungsamt, Grünflächenamt, Gesundheitsamt) |
| Kanalisation | Kanalnetzbetreiber der Stadt, in Bochum der Technische Betrieb, in Essen die Stadtwerke Essen |
Konkret heißt das zum Beispiel: In Bochum regelt die Bochumer Sicherheitsverordnung, dass jeder Eigentümer auf privatem Grund selbst für die Schadnagerbekämpfung zuständig ist. Auf städtischen Flächen, in Grünanlagen und im Entwässerungsnetz übernimmt die zentrale Schadnagerbekämpfung des Technischen Betriebs. Sichtungen melden Sie über den Mängelmelder der Stadt oder beim Gesundheitsamt. In Essen verpflichtet die ordnungsbehördliche Verordnung zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung die Eigentümer und Nutzungsberechtigten, Ratten auf ihrem Grundstück bekämpfen zu lassen. Giftköder dürfen auf öffentlichen und frei zugänglichen Flächen nur von zugelassenen Fachbetrieben oder sachkundigen Personen ausgelegt werden. In Dortmund ist die Stadt seit 1987 nicht mehr für private Grundstücke zuständig. Das Ordnungsamt koordiniert Maßnahmen auf öffentlichen Flächen und in der Kanalisation und bittet um Meldungen über den Mängelmelder, damit das Umfeld mitbehandelt werden kann. Die Details ändern sich gelegentlich, deshalb lohnt ein Blick auf die Seite Ihrer Stadt. Wir kennen die Regelungen in unseren Einsatzgebieten und sagen Ihnen am Telefon, was in Ihrem Fall gilt.
Wichtig für Mieter: Sie sind nicht verpflichtet, den Kammerjäger selbst zu beauftragen. Melden Sie den Befall schriftlich dem Vermieter. Mehr dazu im Ratgeber Schädlinge in der Mietwohnung.
Was Sie sofort selbst tun können
Die Bekämpfung beginnt nicht mit Gift, sondern mit dem Entzug der Lebensgrundlage. Diese Maßnahmen wirken sofort und sind erlaubt:
- Futter weg. Keine gekochten Speisen, kein Fleisch, kein Brot auf den Kompost. Vogelfutter nur in Futtersäulen mit Auffangschale, abends leeren. Tierfutter in Metall- oder Hartplastikbehältern lagern.
- Müll sichern. Biotonne und gelbe Säcke erst am Abfuhrtag rausstellen, Tonnendeckel schließen, Mülltonnenboxen auf Löcher prüfen.
- Unterschlupf entfernen. Holzstapel auf Paletten, Gerümpel entsorgen, Efeu am Sockel zurückschneiden, Hohlräume unter Terrassen und Gartenhäusern mit engmaschigem Drahtgitter (maximal 1 Zentimeter Maschenweite) verschließen.
- Zugänge dichtmachen. Ratten kommen durch Öffnungen ab etwa 2 Zentimeter. Kellerfenster mit Gitter, Rohrdurchführungen mit Mörtel oder Edelstahlwolle, Türen mit Bürstendichtung. Rückstauklappen in der Kanalisation prüfen lassen.
- Nichts füttern. Wer Ratten füttert, auch unabsichtlich über Entenfütterung am Teich, verstößt in vielen Städten gegen die ordnungsbehördliche Verordnung.
Was Sie besser lassen
- Offen ausgelegter Köder ist unzulässig und lebensgefährlich für Kinder, Hunde, Katzen und Greifvögel. Nagergift gehört ausschließlich in verschlossene Köderstationen.
- Klebefallen verstoßen gegen das Tierschutzgesetz. Sie fügen den Tieren stundenlange Qualen zu. Das kann als Ordnungswidrigkeit oder bei erheblichen Leiden als Straftat verfolgt werden.
- Hausmittel wie Pfeffer, Terpentin oder Ultraschallgeräte verlagern das Problem höchstens um ein paar Meter. Ein wissenschaftlicher Wirksamkeitsnachweis fehlt.
- Selbst mit Gift experimentieren: Die Wirkstoffe, mit denen Fachbetriebe arbeiten, sind für Privatpersonen nicht zugelassen. Was im Baumarkt nach dem Beratungsgespräch erhältlich ist, wirkt schwächer, und falsch dosierte Köder fördern Resistenzen. Ausführlich dazu: Rattengift: Was Privatpersonen dürfen.
So arbeitet der Fachbetrieb
Ein sachkundiger Schädlingsbekämpfer geht in dieser Reihenfolge vor:
- Befallsermittlung. Laufwege, Baue, Zugänge und Futterquellen werden erfasst, oft mit Monitoring-Ködern ohne Wirkstoff. Erst bei nachgewiesenem Befall dürfen Rodentizide eingesetzt werden. Das schreiben die Zulassungen vor.
- Ursachenberatung. Sie bekommen eine Liste, was am Objekt zu ändern ist. Ohne diese Maßnahmen kommt der Befall zurück.
- Bekämpfung. Köder in verschlossenen, verankerten Köderstationen, dokumentiert mit Lageplan. Alternativ oder ergänzend Schlagfallen in Boxen, zum Beispiel in Lebensmittelbetrieben oder wo Gift nicht infrage kommt.
- Nachkontrollen. Je nach Befall mehrere Termine im Abstand von einigen Tagen bis Wochen. Köder werden kontrolliert, nachgelegt oder eingesammelt, tote Tiere gesucht und entsorgt.
- Abschluss. Alle Köder werden entfernt. Eine dauerhafte Beköderung ohne Befall ist nicht mehr zulässig.
Jeder dieser Termine hat bei uns einen vorab genannten Festpreis. Wie viele Termine nötig sind, hängt vom Befall ab und davon, ob die Ursachen vor Ort beseitigt werden. Sie zahlen per Rechnung, Barzahlung vor Ort nehmen wir nicht an. Mehr zur Rattenbekämpfung durch unseren Fachbetrieb.
Ratten in der Stadt: Besonderheiten im Ruhrgebiet
Das Ruhrgebiet hat eine alte, weitverzweigte Kanalisation, viele Bahntrassen, Halden und renaturierte Bäche. Das sind ideale Lebensräume. Nach starken Regenfällen, bei Kanalsanierungen und Abrissarbeiten steigen die Meldungen regelmäßig, weil die Tiere ausweichen. In dicht bebauten Stadtteilen wie Bochum-Langendreer, Essen-Altendorf, Dortmund-Nordstadt oder Gelsenkirchen-Schalke reicht ein einziger offener Komposter, um eine ganze Straße zu versorgen. Sprechen Sie deshalb mit den Nachbarn: Eine Bekämpfung auf einem Grundstück bringt wenig, wenn nebenan weiter gefüttert wird.
Wir sind als Kammerjäger in Bochum, Essen, Dortmund, Gelsenkirchen und in ganz Nordrhein-Westfalen unterwegs und beraten Sie am Telefon kostenlos, ob und wie eine Bekämpfung bei Ihnen sinnvoll ist.
Rechtslage auf einen Blick
- •Ratten gelten als Gesundheitsschädlinge im Sinne des Infektionsschutzgesetzes (§ 2 Nr. 12 IfSG). Die Behörde kann eine Bekämpfung anordnen (§ 17 IfSG).
- •Städte in NRW regeln die Rattenbekämpfung in ordnungsbehördlichen Verordnungen. Üblich: Der Eigentümer oder Nutzungsberechtigte muss einen Befall auf seinem Grundstück bekämpfen lassen. Für Kanalisation und öffentliche Flächen ist die Stadt zuständig.
- •Rodentizide mit Antikoagulanzien der zweiten Generation sind nur für geschulte berufsmäßige Verwender zugelassen, Privatpersonen bekommen nur Wirkstoffe der ersten Generation. Seit dem 1. Januar 2025 dürfen Nagergifte im Handel nicht mehr in Selbstbedienung abgegeben werden.
- •Wanderratte und Hausratte sind nicht artenschutzrechtlich geschützt. Das Tierschutzgesetz gilt trotzdem: Töten nur mit den nötigen Kenntnissen und ohne vermeidbare Schmerzen (§ 4 TierSchG), Klebefallen sind unzulässig.
Keine Rechtsberatung. Bei konkreten Fragen zu Genehmigungen ist die zuständige Behörde Ihrer Stadt der richtige Ansprechpartner, wir helfen bei der Einordnung.
Häufige Fragen
Muss ich Ratten der Stadt melden?
Ratten auf öffentlichen Flächen, in Parks, an Spielplätzen oder in der Kanalisation melden Sie der Stadt, in Bochum und Dortmund zum Beispiel über den Mängelmelder. Ratten auf dem eigenen Grundstück müssen Sie selbst bekämpfen lassen. Eine Meldung an die Stadt ist trotzdem sinnvoll, damit Kanal und Umfeld mitbehandelt werden. Fragen Sie beim Gesundheitsamt oder Ordnungsamt nach, wir helfen bei der Einordnung.
Darf ich Rattengift im Garten auslegen?
Nur Produkte, die ausdrücklich für Privatpersonen zugelassen sind, und nur genau nach Gebrauchsanweisung in verschlossenen Köderstationen. Offen ausgelegter Köder ist verboten und gefährdet Kinder, Hunde, Katzen und Greifvögel. Die stark wirksamen Wirkstoffe der zweiten Generation bekommen nur sachkundige Fachbetriebe.
Woran erkenne ich, ob es Ratten oder Mäuse sind?
Rattenkot ist etwa 1 bis 2 Zentimeter lang, spindelförmig und liegt in Gruppen. Mäusekot ist reiskorngroß. Ratten hinterlassen Schmierspuren an Wänden, Laufwege im Gras und daumendicke Löcher mit Erdauswurf, meist an Mauern, Komposthaufen oder unter Terrassen.
Wie schnell bekomme ich einen Termin?
Meist innerhalb von 1 bis 2 Werktagen, je nach Dringlichkeit oft auch sofort. Rufen Sie am besten kurz während unserer Öffnungszeiten an, wir klären am Telefon, was nötig ist. Die Erstberatung ist kostenlos, jeder Termin hat einen vorab genannten Festpreis.