Das Wichtigste in Kürze
- Die Kleidermotte ist ein 4 bis 9 Millimeter kleiner, strohgelb glänzender Falter ohne Muster. Er frisst nicht. Die Larve frisst Keratin: Wolle, Kaschmir, Seide, Federn, Pelz, Haare, Filz.
- Ein Weibchen legt 100 bis 250 Eier direkt an Textilien, Teppiche und Polster. Bis zur Verpuppung braucht die Larve rund zwei Monate, in warmen Wohnungen gibt es zwei bis vier Generationen im Jahr.
- Textilien lassen sich retten: bei 60 Grad waschen, oder mindestens 36 Stunden bei minus 19 Grad einfrieren, oder zur Reinigung geben. Lavendel, Zedernholz und Mottenpapier töten weder Eier noch Larven.
- Der Befall sitzt selten nur im Schrank. Teppichkanten unter Möbeln, Polster, Federkissen, Dämmwolle und Tierhaare hinter Heizkörpern sind die Herde, die man übersieht.
Der Falter: klein, gelb, unscheinbar
Die Kleidermotte (Tineola bisselliella) ist 4 bis 9 Millimeter lang, strohgelb bis goldglänzend, ohne Muster auf den Flügeln, mit gefransten Flügelrändern. Sie sitzt in dunklen Ecken, an Schrankinnenseiten, hinter Kleidung und unter Möbeln und fliegt ungern. Die Weibchen laufen mehr, als sie fliegen, die Männchen flattern in der Dämmerung durchs Zimmer. Wer einen Falter am Fenster in der Küche sieht, der grau oder zweifarbig ist und größer als ein Zentimeter, hat dagegen eine Lebensmittelmotte vor sich.
Der Falter frisst nicht. Er lebt zwei bis vier Wochen, paart sich und legt 100 bis 250 Eier, direkt an oder in das Material, von dem die Larven leben werden: Wollpullover, Teppich, Polster, Federkissen, Pelz, Filz, Tierfell.
Die Larve: das eigentliche Problem
Die Larve ist eine cremeweiße Raupe mit braunem Kopf, bis etwa 1 Zentimeter lang. Ihr sicherstes Merkmal ist das Gespinströhrchen: Sie spinnt sich eine kleine Röhre aus Seidenfäden und Fasern des gefressenen Stoffs, die sie mit sich trägt oder an der Schrankwand befestigt. Diese Röhrchen sehen aus wie Fusseln in der Farbe des Pullovers und fallen erst auf, wenn man sie anstößt und sie sich bewegen.
Die Larve frisst Keratin, das Eiweiß tierischer Fasern: Schafwolle, Kaschmir, Mohair, Alpaka, Seide, Federn und Daunen, Pelz, Rosshaar, Filz, Haare und Hautschuppen. Reine Baumwolle, Leinen, Viskose und Synthetik nimmt sie nicht als Nahrung, durchlöchert sie aber, wenn Wolle beigemischt ist oder wenn Schweiß, Hautschuppen und Essensreste im Gewebe stecken. Deshalb sitzen die Löcher so oft an Kragen, Achseln und Ärmelbündchen.
Bis zur Verpuppung braucht die Larve unter günstigen Bedingungen rund zwei Monate, bei Kälte und Futtermangel deutlich länger. In beheizten Wohnungen entstehen zwei bis vier Generationen im Jahr, eine Winterpause gibt es nicht mehr.
Woran Sie den Befall erkennen
- Löcher in Wolle, Kaschmir, Seide, Filz und Mischgewebe: unregelmäßig, oft mehrere nebeneinander, an Kragen, Achseln, Bündchen und Falten.
- Kahle Stellen im Teppich, vor allem unter Möbeln, an Kanten und hinter Türen, wo nie gesaugt wird.
- Gespinströhrchen und feine Fäden an Schrankwänden, in Falten, an Teppichkanten und in Polsterritzen.
- Puppenhüllen und Häute: leere, hellbraune Hüllen in Schubladen, an Kleiderbügeln, in Jackentaschen.
- Kot: winzige Krümel in der Farbe des gefressenen Stoffs.
- Falter in dunklen Ecken, die beim Öffnen des Schranks herauslaufen oder kurz auffliegen.
Wo die Herde sitzen
Der Kleiderschrank ist nur der offensichtliche Herd. Kleidermotten brauchen Ruhe, Dunkelheit und Keratin, und das finden sie an vielen Stellen:
- selten getragene Kleidung hinten im Schrank, Winterjacken im Sommer, der Anzug für besondere Anlässe,
- Wollteppiche und Läufer, besonders die Kanten unter Sofa, Bett und Schrank,
- Polstermöbel mit Rosshaar oder Wollbezug, Federkissen, Daunendecken,
- Filzgleiter unter Möbeln, Filzhüte, Wollsocken in der Sportkiste,
- Tierhaare, Wollmäuse und Federn hinter Heizkörpern und in Ritzen,
- Dämmwolle aus Schafwolle, alte Textilien und Vogelnester auf dem Dachboden,
- Tierfelle, Trophäen, ausgestopfte Tiere, Pinsel mit Naturhaar.
Wer nur den Schrank ausräumt und der Befall kommt trotzdem zurück, hat meist einen dieser Herde übersehen.
Textilien retten
Waschen bei 60 Grad tötet Eier und Larven zuverlässig. 40 Grad reichen nicht. Bei Wolle, Seide und Kaschmir ist das meist keine Option.
Einfrieren: Empfindliche Stücke in einen Beutel, luftarm verschließen, mindestens 36 Stunden bei minus 19 Grad einfrieren, so empfiehlt es das Umweltbundesamt. Im Beutel auftauen lassen, damit sich kein Kondenswasser auf dem Stoff bildet. Bei Haushaltstiefkühlern lieber zwei bis drei Tage einplanen, weil die Temperatur beim Öffnen schwankt.
Reinigung: Die chemische Reinigung tötet alle Stadien. Für Anzüge, Mäntel und Pelze der sicherste Weg.
Danach saubere Wolle und Seide in dichte Beutel oder Boxen, nur gereinigt einlagern, denn Schweiß und Hautschuppen locken die Falter an. Schränke regelmäßig öffnen, Kleidung bewegen, Ecken aussaugen.
Schritt für Schritt: den Befall selbst beenden
- Alles ausräumen. Schrank, Kommode, Truhe komplett leeren, auch Baumwolle und Synthetik, weil Eier an jedem Stoff kleben können. Befallene und verdächtige Stücke sofort in Beutel.
- Sortieren. Waschbar bei 60 Grad, einfrieren, Reinigung. Nichts ungeprüft zurück in den Schrank.
- Möbel reinigen. Bohrlöcher, Ecken, Rückwand und die Fuge zwischen Schrank und Wand mit dem Fugenaufsatz aussaugen, mit Essigwasser auswischen, Staubsaugerbeutel sofort entsorgen.
- Das Umfeld absuchen. Teppichkanten unter Möbeln, Polster, Federkissen, Heizkörpernischen, Dachboden. Dort saugen, Tierhaare und Wollmäuse entfernen.
- Pheromonfalle aufstellen und vier bis sechs Wochen beobachten. Bleibt sie leer und gibt es keine neuen Löcher, ist der Befall beendet.
- Einlagern. Nur gereinigte Wolle und Seide, in dichten Beuteln oder Boxen, Schränke regelmäßig bewegen und aussaugen.
Pelzmotte: die Verwandte mit dem Köcher
Neben der Kleidermotte tritt in Wohnungen die Pelzmotte (Tinea pellionella) auf. Der Falter ist ähnlich klein, aber bräunlicher mit undeutlichen dunklen Punkten auf den Vorderflügeln. Ihre Larve baut sich einen festen Köcher aus Fasern, den sie wie ein Schneckenhaus mit sich trägt und in dem sie sich später verpuppt. Sie frisst dieselben Materialien, bevorzugt Pelz, Federn, Wolle und Tierhaare, und wird auf demselben Weg bekämpft. Für die Praxis spielt die Unterscheidung keine Rolle: Löcher in Wolle plus kleine Röhrchen oder Köcher bedeuten Textilmotten, und das Vorgehen ist bei beiden gleich.
Was nicht hilft
Lavendel, Zedernholz, Nelken und Mottenpapier schrecken Falter bestenfalls ab. Das Umweltbundesamt sagt dazu, dass sich Motten damit nicht hundertprozentig fernhalten lassen. Eier und Larven in der Kleidung töten sie nicht. Als Ergänzung im sauberen Schrank nach der Bekämpfung in Ordnung, als Bekämpfung nicht.
Sprays ziehen in Stoff und Holz, erreichen die Larven in Falten, Bohrlöchern, Teppichkanten und Polstern aber nicht. Klassische Mottenkugeln hinterlassen einen Geruch, der monatelang bleibt, und lösen das Problem im Teppich nicht. Schlupfwespen setzen wir nicht ein und empfehlen sie nicht.
Pheromonfallen sind nützlich, aber nur als Kontrolle: Sie fangen Männchen mit einem Sexuallockstoff und zeigen, ob noch Falter schlüpfen. Eine Falle je Raum, nicht mehrere nebeneinander, sonst locken sie Männchen aus der Nachbarschaft an.
Wann der Fachbetrieb sinnvoll ist
Ein frischer Befall in einem Schrank lässt sich mit Ausräumen, Waschen, Einfrieren, Reinigen und einer Pheromonfalle gut selbst beenden. Der Fachbetrieb ist sinnvoll, wenn trotzdem neue Löcher oder Falter auftauchen, wenn Teppiche, Polster oder der Dachboden betroffen sind, wenn Sie die Herde nicht finden oder wenn es um ein Textillager, ein Museum oder einen Fundus geht.
Wir suchen alle Herde ab, geben Ihnen eine klare Liste, welche Textilien Sie waschen, einfrieren oder reinigen lassen, und behandeln die Verstecke der Larven punktgenau mit zugelassenen Mitteln, nicht flächig im Wohnraum und nicht an Kleidung. Pheromonfallen zeigen beim Folgetermin, ob nichts mehr schlüpft. Wie das abläuft, steht auf der Seite Kleidermotten im Kleiderschrank. Unsere Techniker sind in Essen, Bochum, Dortmund und ganz NRW unterwegs; am Telefon klären wir, ob Sie selbst weiterkommen und was sonst der erste Termin kostet.
Häufige Fragen
Fressen Kleidermotten auch Baumwolle und Kunstfaser?
Eigentlich nicht, sie brauchen Keratin aus tierischen Fasern. Baumwolle, Leinen, Viskose und Synthetik werden aber durchlöchert, wenn sie mit Wolle gemischt sind oder wenn Schweiß, Hautschuppen und Essensreste im Stoff sitzen. Saubere reine Baumwolle bleibt in der Regel verschont.
Warum finde ich keine Falter, aber Löcher?
Kleidermotten sind klein, unauffällig und lichtscheu. Die Weibchen laufen mehr, als sie fliegen, und sitzen tief im Schrank. Löcher und Gespinströhrchen entstehen über Wochen, lange bevor jemand einen Falter sieht. Eine Pheromonfalle im Raum zeigt, ob Männchen unterwegs sind.
Hilft die Waschmaschine bei 40 Grad?
Nein, 40 Grad überleben Eier und Larven. Sicher sind 60 Grad, was bei Wolle und Seide meist nicht geht. Dann bleibt das Einfrieren, mindestens 36 Stunden bei minus 19 Grad im Beutel, oder die chemische Reinigung.
Wann sollte ich den Kammerjäger rufen?
Wenn nach Ausräumen, Waschen, Einfrieren und Reinigen weiter Falter oder neue Löcher auftauchen, wenn Teppiche, Polster oder der Dachboden betroffen sind, wenn Sie die Herde nicht finden oder wenn es um Lager, Museum oder Fundus geht. Am Telefon klären wir, was der erste Termin kostet.
Quellen und Rechtsgrundlagen