Erdwespen: Nest im Boden erkennen und handeln

Erdwespen im Rasen oder unter der Terrasse: Welche Art dahintersteckt, wie Sie das Nest erkennen, warum Mähen gefährlich ist und was rechtlich gilt.

Ratgeber der Knipp, Neumann & Co. GmbH · 8 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • „Erdwespen“ sind keine eigene Art. Im Boden nisten fast immer die Deutsche oder die Gemeine Wespe, meist in verlassenen Mäusegängen, unter Terrassenplatten, in Böschungen oder Komposthaufen.
  • Erkennbar ist nur das Flugloch: ein Loch von zwei bis drei Zentimetern mit regem Flugbetrieb in niedriger Höhe, oft mit frischer Erde daneben.
  • Gefährlich sind Erschütterungen. Rasenmäher, Vertikutierer und Grabarbeiten lösen die Verteidigung aus, deshalb passieren die meisten Stichserien im Garten genau dabei.
  • Alle heimischen Wespen stehen unter allgemeinem Schutz (§ 39 BNatSchG). Ein Nest im genutzten Garten, am Weg oder bei Allergikern im Haushalt ist ein vernünftiger Grund für die Entfernung durch den Fachbetrieb.

„Erdwespen“ gibt es gar nicht

Der Begriff steht für einen Nistplatz, nicht für eine Art. Wer im Sommer Wespen aus einem Loch im Rasen kommen sieht, hat es fast immer mit der Deutschen Wespe (Vespula germanica) oder der Gemeinen Wespe (Vespula vulgaris) zu tun. Das sind genau die beiden Arten, die auch im Rollladenkasten, unter dem Dach und in Hohlräumen bauen und die im Spätsommer an Kuchen und Grillgut gehen. Sie sind die einzigen heimischen Wespen, die im Herbst lästig werden, und sie bilden die größten Völker: mehrere Tausend Tiere sind in einem starken Jahr normal.

Im Boden nisten allerdings nicht nur sie. Hummeln legen ihre Nester ebenfalls gern in Mäusegängen an, und viele Wildbienen graben eigene Röhren in Sandboden und Böschungen. Beide sind besonders geschützt und praktisch ungefährlich. Deshalb steht am Anfang immer die Artbestimmung, nicht die Bekämpfung.

Woran Sie ein Erdnest erkennen

Vom Nest selbst sieht man nichts, es liegt unter der Erde. Sichtbar ist nur der Eingang:

  • ein rundes Loch von etwa zwei bis drei Zentimetern, oft mit frisch ausgeworfener Erde daneben,
  • reger Flugbetrieb in niedriger Höhe, immer dieselbe An- und Abflugrichtung,
  • bei Sonne stärker als bei Regen, im August am stärksten,
  • Gras rund um das Loch niedergedrückt oder trocken.

Typische Orte: alte Mäuse- und Wühlmausgänge im Rasen, Böschungen und Hangbeete, Hohlräume unter Terrassenplatten, Holzdecks und Treppenstufen, Komposthaufen, Trockenmauern, Bereiche unter Gartenhäusern.

Abgrenzung zu Wildbienen: Viele kleine Löcher nebeneinander in sandigem Boden, aus denen einzelne, oft pelzige Tiere krabbeln, sind Wildbienen. Sie leben solitär, verteidigen nicht und stechen praktisch nie. Hummeln fliegen langsamer, brummen tief und sind deutlich pelziger als Wespen. Beide bitte in Ruhe lassen.

Warum Erdnester so oft zu Stichen führen

Ein Volk im Boden reagiert auf Vibration. Der Rasenmäher ist der klassische Auslöser: Er fährt über oder dicht am Flugloch, das Volk deutet die Erschütterung als Angriff und verteidigt einen Umkreis von wenigen Metern. Dasselbe gilt für Vertikutierer, Rasenkantenschneider, Schubkarren, Grabarbeiten, spielende Kinder und Hunde, die am Loch schnüffeln.

Wichtig für die Einordnung: Wespen sind nicht grundlos angriffslustig. Außerhalb des Nestbereichs sind sie im Hochsommer lästig, aber nicht aggressiv. Nahe am Nest ist es umgekehrt. Wer weiß, wo das Loch ist, und einen Bogen darum macht, kann mit einem Erdnest im hinteren Gartenbereich problemlos bis zum Herbst leben.

Was Sie tun sollten

Bereich markieren und meiden. Einen Stuhl oder Stab neben das Loch stellen, damit niemand versehentlich hineinläuft. Kinder und Haustiere fernhalten.

Gartenarbeit einstellen. Kein Mähen, Vertikutieren oder Graben in der Nähe, bis geklärt ist, was dort nistet.

Aus der Ferne beobachten. Wo genau kommen die Tiere heraus, wie stark ist der Flugbetrieb, wie sehen die Tiere aus? Ein kurzes Video aus mehreren Metern Entfernung reicht uns für die Artbestimmung.

Ruhig bleiben. Nicht schlagen, nicht pusten, nicht sprühen. Hektische Bewegungen und Atemluft reizen Wespen am Nest.

Bei Allergie sofort handeln. Lebt jemand im Haushalt mit einer Insektengiftallergie, sollte das Nest nicht bis zum Herbst bleiben. Sagen Sie das am Telefon gleich dazu.

Was Sie auf keinen Fall tun sollten

Kochendes Wasser, Benzin, Spiritus, Feuer, Staubsauger, Schaum oder Zuschütten: Alles davon kursiert im Netz, alles davon ist gefährlich, wirkungslos oder beides. Kochendes Wasser erreicht das Nest nicht, sondern treibt aufgebrachte Tiere nach oben, direkt zum Gießenden. Brennbare Flüssigkeiten sind lebensgefährlich und verseuchen den Boden. Ein zugeschüttetes Loch wird wieder freigegraben oder durch einen neuen Ausgang ersetzt, oft näher am Haus. Und Sprays aus dem Handel erreichen bei Erdnestern das Volk selten vollständig.

Was rechtlich gilt

Alle heimischen Wespen stehen unter allgemeinem Schutz nach § 39 Abs. 1 BNatSchG: Sie dürfen ohne vernünftigen Grund nicht getötet und ihre Nester nicht zerstört werden. Deutsche und Gemeine Wespe sind aber nicht besonders geschützt. Ein vernünftiger Grund liegt vor, wenn das Nest in einem genutzten Gartenbereich, an einem Weg, an der Terrasse, auf einem Spielplatz oder bei einer Insektengiftallergie im Haushalt sitzt. Eine Genehmigung ist dafür nicht nötig, der Fachbetrieb darf handeln.

Anders bei Hornissen, Hummeln, Wildbienen und Kreiselwespen: Die sind nach § 44 BNatSchG besonders geschützt, hier ist eine Ausnahmegenehmigung der Unteren Naturschutzbehörde nötig, und eine Umsiedlung übernehmen von der Behörde beauftragte Fachleute. Bußgelder für Zerstörung ohne vernünftigen Grund reichen in Nordrhein-Westfalen bis 50.000 Euro. Genau deshalb bestimmen wir vor jedem Eingriff die Art. Mehr zur Rechtslage im Ratgeber Wespennest entfernen: Was ist erlaubt?

Wann Abwarten die richtige Entscheidung ist

Nicht jedes Erdnest muss weg. Ein Wespenvolk lebt genau eine Saison: Im Frühjahr gründet eine einzelne Königin, über den Sommer wächst das Volk, im Spätsommer entstehen Jungköniginnen und Drohnen, und im Oktober oder November stirbt das gesamte Volk ab. Nur die begatteten Jungköniginnen überwintern, und zwar an ganz anderer Stelle, in Totholz, Mauerspalten oder unter Rinde. Ein Nest wird nie wieder besiedelt, weder im selben noch in einem späteren Jahr.

Das bedeutet: Liegt das Flugloch am hinteren Ende des Gartens, unter einer Hecke oder in einer Böschung, die Sie ohnehin nicht betreten, ist Abwarten eine echte Option. Markieren, Abstand halten, im Herbst ist das Thema erledigt. Wespen sind dazu noch nützlich: Ein mittleres Volk trägt über den Sommer Tausende Insekten ein, darunter Fliegen, Mücken und Raupen.

Gegen das Abwarten sprechen klare Gründe: ein Flugloch im genutzten Rasen, an der Terrasse, am Spielbereich, neben dem Hauseingang oder auf einem Betriebsgelände mit Publikumsverkehr, außerdem eine Insektengiftallergie im Haushalt. In diesen Fällen ist der vernünftige Grund nach § 39 BNatSchG gegeben, und die Entfernung ist zulässig.

Warum Nester im Boden oft erst spät auffallen

Anders als ein Nest im Rollladenkasten oder unter dem Dachvorsprung ist ein Erdnest monatelang praktisch unsichtbar. Im Mai fliegen wenige Tiere, das Loch ist klein, und niemand achtet darauf. Ab Juli wächst das Volk schnell, der Flugbetrieb wird auffällig, und weil die Tiere denselben Anflugweg nutzen, entsteht der Eindruck, das Nest sei „plötzlich“ da. Tatsächlich war es den ganzen Sommer dort.

Deshalb lohnt sich im Frühsommer ein kurzer Kontrollgang: Wo fliegen wiederholt Wespen dicht über dem Boden? Wo liegt frische Erde neben einem Loch? Je früher ein Erdnest entdeckt wird, desto kleiner ist das Volk und desto einfacher ist die Entscheidung, ob es bleiben kann oder nicht.

Wie der Fachbetrieb vorgeht

Wir bestimmen zuerst die Art, dann lokalisieren wir das Nest, denn das Flugloch kann einen Meter neben dem eigentlichen Nest liegen, wenn die Tiere einem alten Mäusegang folgen. Die Behandlung erfolgt in Schutzausrüstung gezielt am Nesteingang, nicht flächig im Garten; Beete, Gemüse und Teich bleiben unberührt. Danach sagen wir Ihnen, ab wann der Bereich wieder frei ist, in der Regel nach ein bis zwei Tagen, wenn die letzten heimkehrenden Tiere abgestorben sind. Zum Schluss bekommen Sie die Liste für das nächste Jahr: Mäusegänge schließen, Fugen unter Terrassenplatten abdichten, Hohlräume unter Gartenhaus und Treppe sichern.

Alles zum Ablauf steht auf der Seite Erdwespen im Garten, was ein Einsatz kostet, im Ratgeber Wespennest entfernen: Ablauf und Kosten. Unsere Techniker sind in Bochum, Dortmund, Witten und ganz NRW unterwegs; am Telefon klären wir kostenlos, welche Art bei Ihnen nistet, und nennen den Festpreis für den Termin.

Rechtslage auf einen Blick

  • •§ 39 Abs. 1 BNatSchG: Wild lebende Tiere dürfen nicht ohne vernünftigen Grund gefangen, verletzt oder getötet und ihre Nist- und Zufluchtsstätten nicht ohne vernünftigen Grund zerstört werden. Deutsche und Gemeine Wespe unterliegen nur diesem allgemeinen Schutz.
  • •Besonders geschützt nach § 44 BNatSchG in Verbindung mit der Bundesartenschutzverordnung sind Hornisse, alle Hummeln und Wildbienen sowie Kreiselwespen. Eingriffe nur mit Ausnahmegenehmigung der Unteren Naturschutzbehörde.
  • •Bußgelder drohen bei Zerstörung ohne vernünftigen Grund; in Nordrhein-Westfalen bis zu 50.000 Euro.
  • •Eine Umsiedlung von Wespen bieten wir nicht an. Bei Hornissen und Hummeln ist die Umsiedlung durch von der Naturschutzbehörde beauftragte Fachleute der vorgesehene Weg.

Keine Rechtsberatung. Bei konkreten Fragen zu Genehmigungen ist die zuständige Behörde Ihrer Stadt der richtige Ansprechpartner, wir helfen bei der Einordnung.

Häufige Fragen

Sind Erdwespen eine eigene Wespenart?

Nein. Der Begriff beschreibt nur den Nistplatz. Im Boden nisten fast immer die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe, dieselben Arten, die auch im Rollladenkasten und auf dem Dachboden bauen. Im Boden nisten außerdem Hummeln und viele Wildbienen, die besonders geschützt sind.

Wie gefährlich ist ein Erdnest im Rasen?

Solange niemand in die Nähe kommt, gering. Kritisch sind Erschütterungen: Rasenmähen, Vertikutieren, Graben, spielende Kinder und Hunde. Verteidigt wird ein Umkreis von wenigen Metern. Für Allergiker ist jedes Nest in Wohnnähe ein Risiko.

Kann ich das Loch zuschütten oder eine Platte darauflegen?

Nein. Die Tiere graben sich frei oder legen einen neuen Ausgang an, manchmal näher am Haus oder unter der Terrasse. Solange das Volk lebt, bleibt ein Flugloch offen.

Verschwindet ein Erdnest im Herbst von allein?

Ja. Das Volk stirbt im Oktober oder November ab, nur junge Königinnen überwintern an anderer Stelle. Ein Nest wird nie wieder besiedelt. Liegt es an einer Stelle, die Sie bis dahin meiden können, ist Abwarten möglich.

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