Ameisen im Haus: Arten erkennen und richtig bekämpfen

Wegameisen in der Küche, Rossameisen im Holz, Pharaoameisen im Gebäude: Welche Art welche Bekämpfung braucht, was Sie selbst dürfen und welche Arten geschützt sind.

Ratgeber der Knipp, Neumann & Co. GmbH · 7 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Schwarze Wegameisen im Haus sind lästig, aber harmlos. Sie folgen Duftspuren zu Zucker und Fett. Lebensmittel verschließen und Zugänge abdichten löst die meisten Fälle.
  • Ameisen, die Holzmehl hinterlassen, sind Rossameisen oder Glänzendschwarze Holzameisen. Sie nagen in feuchtem Holz und brauchen einen Fachbetrieb, bevor tragende Teile leiden.
  • Pharaoameisen sind Gesundheitsschädlinge. Sprays teilen die Kolonie und verschlimmern den Befall. Nur Fraßköder über Wochen wirken.
  • Rote Waldameisen und andere hügelbauende Waldameisen sind besonders geschützt, ihre Nester dürfen nicht zerstört werden.

Erst die Art bestimmen, dann handeln

Ameise ist nicht gleich Ameise. Die Bekämpfung hängt davon ab, welche Art im Haus ist, und in einem Fall ist sie verboten.

ArtGrößeErkennungsmerkmalBedeutung
Schwarze Wegameise (Lasius niger)3 bis 5 mmschwarz bis dunkelbraun, Straßen zu Zucker und Fettlästig, kein Schädling, häufigste Art in Küchen
Braune Wegameise, Rasenameise2 bis 4 mmgelb bis braun, Nester unter Platten und im Rasen, wirft Sand auflästig, unterhöhlt Wege und Terrassen
Rossameise (Camponotus)bis 18 mmgroß, schwarz oder rot-schwarz, Holzmehl unter Balkennagt in feuchtem Holz, Bauschaden möglich
Glänzendschwarze Holzameise (Lasius fuliginosus)4 bis 6 mmtiefschwarz, glänzend, riecht bei Zerdrücken zitronigKartonnester in Holz und Dämmung
Pharaoameise (Monomorium pharaonis)2 mmwinzig, gelblich, dunklere Hinterleibsspitze, überall im GebäudeGesundheitsschädling, sehr schwer zu bekämpfen
Rote Waldameise (Formica rufa)4 bis 9 mmrot-schwarz, große Nadelhügel im Waldbesonders geschützt, nicht bekämpfen

Bei Unsicherheit schicken Sie uns ein Foto oder beschreiben die Tiere am Telefon, wir ordnen sie kostenlos ein.

Wegameisen: Der Standardfall in der Küche

Schwarze Wegameisen nisten fast immer draußen: unter Terrassenplatten, in der Rasenkante, in Sockelrissen oder in der Außendämmung. Ins Haus kommen einzelne Kundschafterinnen, und sobald eine Zucker oder Fett findet, folgt die ganze Straße ihrer Duftspur.

Das können Sie selbst tun, und das ist erlaubt:

  1. Duftspur beseitigen: Straße mit Essigwasser oder Spülmittel wischen.
  2. Nahrung verschließen: Zucker, Honig, Marmelade, Tierfutter, Obst in dichte Behälter, Spüle und Arbeitsplatte abends sauber, Mülleimer mit Deckel.
  3. Zugang finden und abdichten: Der Straße bis zur Wand folgen, Ritzen an Fensterbänken, Türschwellen, Rohrdurchführungen und Fliesenfugen mit Silikon oder Acryl schließen.
  4. Fraßköder aus dem Handel an der Straße platzieren, nicht darauf sprühen. Die Arbeiterinnen tragen den Köder ins Nest. Köderdosen nur nach Gebrauchsanweisung, unerreichbar für Kinder und Haustiere.

Sprays töten nur die Tiere, die gerade laufen, und markieren der Kolonie den Weg als gefährlich. Sie sucht sich dann einen anderen Zugang.

Ein Fachbetrieb ist sinnvoll, wenn das Nest im Gebäude sitzt, etwa in der Dämmung oder unter dem Estrich, erkennbar an geflügelten Tieren, die im Haus aus Ritzen kommen, oder wenn die Straßen trotz aller Maßnahmen wochenlang bleiben.

Rossameisen und Holzameisen: Wenn Holzmehl fällt

Feine, grobe Holzspäne unter Dachbalken, Fensterrahmen, Holzterrassen oder Fachwerk sind ein Warnsignal. Rossameisen fressen kein Holz, sie nagen Gänge in feuchtes, oft schon vorgeschädigtes Holz und höhlen es aus. Typische Stellen sind Balkenköpfe an undichten Dächern, Fensterbänke mit Kondenswasser, Holzverkleidungen an Fassaden, Gartenhäuser und Carports.

Hier hilft kein Köder aus dem Baumarkt. Der Fachbetrieb ortet das Nest, behandelt es gezielt und klärt die Feuchteursache, sonst ist das Holz in wenigen Jahren wieder besiedelt. Bei tragenden Bauteilen sollte zusätzlich ein Holzschutzsachverständiger die Statik prüfen. Mehr dazu unter Holz- und Bautenschutz.

Pharaoameisen: Der Sonderfall

Pharaoameisen sind winzig, gelblich und leben ausschließlich in beheizten Gebäuden: Krankenhäusern, Pflegeheimen, Großküchen, Bäckereien, Mehrfamilienhäusern mit Fernwärme, Schwimmbädern. Sie nisten in Steckdosen, hinter Fliesen, in Zwischendecken und Heizungskanälen, und eine Kolonie hat viele Königinnen.

Das macht sie so gefährlich für Laienversuche: Wird eine Kolonie mit Spray gestört, teilt sie sich und besiedelt neue Bereiche. Aus einem Befall in einer Küche werden fünf. Deshalb gilt:

  • Keine Sprays, keine Pulver, keine Hausmittel.
  • Ausschließlich Fraßköder mit langsam wirkenden Wirkstoffen oder Wachstumsregulatoren, die von den Arbeiterinnen an Königinnen und Brut verfüttert werden.
  • Behandlung über mehrere Wochen, in Mehrfamilienhäusern immer das ganze Gebäude.
  • Dokumentation, besonders in Einrichtungen des Gesundheitswesens, wo Pharaoameisen Keime auf Wunden und Sterilgut übertragen.

Wir haben für diese Art ein eigenes Verfahren, beschrieben unter Pharaoameisenbekämpfung. Für Kliniken und Heime siehe Schädlingsbekämpfung im Gesundheitswesen.

Waldameisen: Geschützt, nicht bekämpfen

Hügelbauende Waldameisen sind besonders geschützt. Ihre Nester dürfen weder zerstört noch beschädigt werden, auch nicht, wenn ein Hügel am Waldrand eines Grundstücks liegt. Wer einen Waldameisenhügel an ungünstiger Stelle hat, wendet sich an die Untere Naturschutzbehörde. Umsiedlungen führen geschulte Ameisenschutzwarte durch. Im dicht besiedelten Ruhrgebiet ist das selten, in Waldrandlagen bei Hagen, Iserlohn oder am Rand der Haard kommt es vor.

Wann der Kammerjäger sinnvoll ist

  • Nest im Gebäude, geflügelte Tiere aus Wänden oder Boden
  • Holzmehl, ausgehöhltes Holz, Rossameisen
  • Verdacht auf Pharaoameisen, insbesondere in Betrieben und Einrichtungen
  • Straßen, die nach zwei bis drei Wochen Selbsthilfe bleiben
  • Gastronomie und Lebensmittelbetriebe, wo Befall dokumentiert bekämpft werden muss

Die telefonische Erstberatung ist kostenlos. Für jeden Termin nennen wir vorab einen Festpreis, abgerechnet per Rechnung. Wir sind für Sie in Bochum, Essen, Dortmund und in ganz Nordrhein-Westfalen unterwegs. Mehr zur Ameisenbekämpfung.

Rechtslage auf einen Blick

  • Hügelbauende Waldameisen (Gattung Formica, Untergattung Formica s. str.) sind nach Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt. § 44 BNatSchG verbietet, sie zu töten oder ihre Nester zu zerstören. Weg-, Ross- und Pharaoameisen sind nicht geschützt.
  • Ameisenköder, Streumittel und Sprays sind Biozide (Produktart 18). Anwendung nur nach Gebrauchsanweisung, nicht in Gewässernähe, nicht auf Flächen, die Kinder und Haustiere erreichen. Für Insektizide (Produktart 18) gilt seit dem 1. Januar 2025 ein Selbstbedienungsverbot: Abgabe im Handel nur nach einem Abgabegespräch mit sachkundigem Personal (§§ 10 und 11 ChemBiozidDV).
  • Pharaoameisen gelten als Gesundheitsschädlinge im Sinne des Infektionsschutzgesetzes. In Krankenhäusern und Pflegeheimen ist die Bekämpfung Teil der Hygienepflichten.

Keine Rechtsberatung. Bei konkreten Fragen zu Genehmigungen ist die zuständige Behörde Ihrer Stadt der richtige Ansprechpartner, wir helfen bei der Einordnung.

Häufige Fragen

Woher kommen die Ameisen in meiner Küche?

Meist aus einem Nest außerhalb, unter Terrassenplatten, im Rasen, in der Sockeldämmung oder im Mauerwerk. Arbeiterinnen folgen einer Duftspur durch Ritzen an Fenstern, Türen oder Rohrdurchführungen. Verfolgen Sie die Straße zurück: Wo sie im Mauerwerk verschwindet, ist der Zugang, der abgedichtet werden muss.

Helfen Backpulver, Zimt oder Essig?

Essig und Zimt löschen kurzzeitig die Duftspur, das Nest bleibt. Backpulver tötet keine Ameisen, das ist ein Mythos. Wirksam sind Fraßköder, die die Arbeiterinnen ins Nest tragen, und das Abdichten der Zugänge.

Sind fliegende Ameisen ein Alarmzeichen?

Meist nicht. An warmen Tagen im Juli und August schwärmen geflügelte Geschlechtstiere zum Hochzeitsflug aus. Kommen sie im Haus aus der Wand oder aus dem Boden, sitzt das Nest allerdings im Gebäude, dann sollte ein Fachbetrieb nachsehen.

Wie lange dauert eine Ameisenbekämpfung?

Bei Wegameisen reicht oft ein Termin mit Köder und Beratung zur Abdichtung. Bei Ross- und Pharaoameisen sind mehrere Termine über einige Wochen nötig, weil die Köder erst die Königinnen erreichen müssen. Jeder Termin hat einen vorab genannten Festpreis.